Auszeit auf dem Roten Sofa: Lasse Boesen
Viele Termine mit der dänischen Nationalmannschaft, die Olympische Spiele in Peking – es war ein sportlich sehr turbulenter Sommer. Du bist erst seit Ende August in Flensburg. Hast du in den letzten sechs Wochen schon einen Lieblinsplatz in der Stadt gefunden? Lasse Boesen: Noch nicht wirklich. Ich finde viele Ecken sehr schön. Die Fußgängerzone zum Beispiel. Die kenne ich schon seit meiner Kindheit. Meine Eltern sind mit mir oft in der Vorweihnachtszeit nach Flensburg gefahren. Ich kann mich daran noch sehr gut erinnern! Alles duftete nach Gewürzen von Gebäck und Glühwein. Jetzt, viele Jahre später, freue ich mich schon darauf, diese einmalige Atmosphäre wieder zu erleben.
Also Innenstadt…
Lasse Boesen: Ja, aber nicht nur! Ich finde auch die Förde fantastisch. Wenn man am Wasser aufgewachsen ist, wird dieses Element ein Leben lang unerlässlich. Wenn man an der Förde spazieren geht, kriegt man sehr schnell einen klaren Kopf, egal welche Gedanken einen beschäftigen. Wasser ist was ganz Tolles.
Wolltest du deswegen am Wasser wohnen?
Lasse Boesen: Das ist mehr ein Zufall. Aber ein schöner! Meine Familie lebt in Kolding, dort ist unser Lebensmittelpunkt. Hier habe ich eine WG mit einem Freund in einer Wohnung mit Wasserblick!
Bist du ein Pendler?
Lasse Boesen: Nicht wirklich. Ich bin fast jeden Abend zu Hause. Ich fahre von Flensburg nur 40 Minuten nach Kolding. Das ist nicht viel!
Aber auch nicht wenig…
Lasse Boesen: Vielleicht. Aber aus Lemgo musste ich mehrere Stunden zu meiner Familie fahren. Im letzen Jahr habe ich meine Kinder maximal zwei Tage in der Woche gesehen. Meine Frau hat in Kolding einen tollen Job. Sie ist sehr ambitioniert, was ich übrigens ganz toll finde. Unsere Kinder sind noch klein. Wir haben ein schönes Haus, unsere Eltern leben auch dort. Die Fahrerei ist ein Kompromiss, womit ich sehr gut leben kann, wenn alle glücklich sind. Ich kann meine Kinder ins Bett bringen und mit ihnen aufstehen. Meine Frau kann weiter arbeiten. Wenn wir mal Babysitter brauchen, springen unsere Eltern ein. Und ich darf in meinem Traumverein spielen. Das alles gibt mir unheimlich viel Energie! 80 Kilometer sind nichts! (lacht)
Du bist eigentlich ein „komischer“ Neuzugang!
Lasse Boesen: Wie meinst du das?
Am Anfang sind die neuen Spieler immer sehr oft in der Geschäftsstelle. Meine Kolleginnen suchen Häuser, schließen Versicherungen ab, zeigen die Stadt… Dich haben wir kaum gesehen, es hieß nur: „Lasse hat schon alles, er kümmert sich selbst“.
Lasse Boesen: Ich weiß, was du meinst. (lacht) Ich will immer alles selber machen. Wenn ich kein Handballer wäre, müsste ich mein Leben auch irgendwie auf die Reihe kriegen. Ich bin schließlich 29 Jahre alt und Vater von zwei Kindern. Außerdem habt ihr ja auch genug zu tun. Ich finde, dass man so auch ganz gut die Sprache lernt. In der Bank schaut dich der Sachbearbeiter vielleicht erst einmal komisch an, das zweite Gespräch läuft aber besser, und das dritte ist dann kein Problem.
Wie fast alle „unsere Dänen“ kommst du auch aus einer „Handball- Dynastie“.
Lasse Boesen: Ja. (lacht) Mein Vater ist der „Fynn von Kolding“. Er ist der Manager dort. So bin ich selbstverständlich mit Handball groß geworden. Ich kenne alle im Verein, und die kennen mich auch seit meiner Kindheit. Lustig finde ich, dass der Trainer von meinem vierjährigen Sohn schon mein Trainer in der Jugend war.
Fotos: Christoph Schellhaus
Privat ist Kolding dein Lebensmittelpunkt. Warum wolltest du da sportlich weg?
Lasse Boesen: Genau deswegen. Ich wollte auch etwas anderes sehen. Meine Jahre in Spanien waren toll! Solche Erfahrungen im Ausland öffnen nicht nur sportlich den Horizont. Du lernst eine andere Sprache, entdeckst eine andere Küche, eine andere Mentalität, findest neue Freunde… Es waren sehr schöne drei Jahre, die Zeit möchte ich nicht missen!
Vermisst du etwas aus Spanien?
Lasse Boesen: Nein, eigentlich nicht.
Nicht mal Paella, dein Lieblingsgericht?
Lasse Boesen: Das koche ich mir inzwischen selbst!
In den letzten sechs Jahren hast du fünf Mal den Verein gewechselt. Bist du ein „Reisender“? Müssen wir Angst haben, dass du uns bald wieder verlässt?
Lasse Boesen: NEIN! Ich bleibe hier! Die Wechsel waren übrigens so nicht geplant. Wenn du als dänischer Profihandballer ins Ausland willst, dann willst du nach Spanien oder nach Deutschland. Die Bundesliga ist etwas Besonderes. Und ich finde es fantastisch hier. Sportlich läuft es in Flensburg sehr gut. Meine Familie ist in der Nähe. So kann ich mich 100-prozentig auf meinen Beruf konzentrieren.
Beim deinem erst vierten Heimspiel im SG-Trikot ein Kempa-Trick mit No-Look-Wurf… Das Publikum hat dich geliebt! Wenn so was daneben geht, ist es ganz schön blöd. Man muss sich schon in einer Kulisse sicher fühlen, um sich solche Trickwürfe zu trauen.
Lasse Boesen: Ja, das stimmt! Ich habe aber das Gefühl, dass ich hier sportlich relativ schnell angekommen bin. Man braucht normalerweise länger, um seinen Platz auf dem Spielfeld, in der Mannschaft und bei den Fans zu finden. Hier war das echt unkompliziert. Auch deswegen will ich noch lange bleiben! Und das Tor habe ich doch gemacht! (lacht)Viele Termine mit der dänischen Nationalmannschaft, die Olympische Spiele in Peking – es war ein sportlich sehr turbulenter Sommer. Du bist erst seit Ende August in Flensburg. Hast du in den letzten sechs Wochen schon einen Lieblinsplatz in der Stadt gefunden?
Lasse Boesen: Noch nicht wirklich. Ich finde viele Ecken sehr schön. Die Fußgängerzone zum Beispiel. Die kenne ich schon seit meiner Kindheit. Meine Eltern sind mit mir oft in der Vorweihnachtszeit nach Flensburg gefahren. Ich kann mich daran noch sehr gut erinnern! Alles duftete nach Gewürzen von Gebäck und Glühwein. Jetzt, viele Jahre später, freue ich mich schon darauf, diese einmalige Atmosphäre wieder zu erleben.
Also Innenstadt…
Lasse Boesen: Ja, aber nicht nur! Ich finde auch die Förde fantastisch. Wenn man am Wasser aufgewachsen ist, wird dieses Element ein Leben lang unerlässlich. Wenn man an der Förde spazieren geht, kriegt man sehr schnell einen klaren Kopf, egal welche Gedanken einen beschäftigen. Wasser ist was ganz Tolles.
Wolltest du deswegen am Wasser wohnen?
Lasse Boesen: Das ist mehr ein Zufall. Aber ein schöner! Meine Familie lebt in Kolding, dort ist unser Lebensmittelpunkt. Hier habe ich eine WG mit einem Freund in einer Wohnung mit Wasserblick!
Bist du ein Pendler?
Lasse Boesen: Nicht wirklich. Ich bin fast jeden Abend zu Hause. Ich fahre von Flensburg nur 40 Minuten nach Kolding. Das ist nicht viel!
Aber auch nicht wenig…
Lasse Boesen: Vielleicht. Aber aus Lemgo musste ich mehrere Stunden zu meiner Familie fahren. Im letzen Jahr habe ich meine Kinder maximal zwei Tage in der Woche gesehen. Meine Frau hat in Kolding einen tollen Job. Sie ist sehr ambitioniert, was ich übrigens ganz toll finde. Unsere Kinder sind noch klein. Wir haben ein schönes Haus, unsere Eltern leben auch dort. Die Fahrerei ist ein Kompromiss, womit ich sehr gut leben kann, wenn alle glücklich sind. Ich kann meine Kinder ins Bett bringen und mit ihnen aufstehen. Meine Frau kann weiter arbeiten. Wenn wir mal Babysitter brauchen, springen unsere Eltern ein. Und ich darf in meinem Traumverein spielen. Das alles gibt mir unheimlich viel Energie! 80 Kilometer sind nichts! (lacht)
Du bist eigentlich ein „komischer“ Neuzugang!
Lasse Boesen: Wie meinst du das?
Am Anfang sind die neuen Spieler immer sehr oft in der Geschäftsstelle. Meine Kolleginnen suchen Häuser, schließen Versicherungen ab, zeigen die Stadt… Dich haben wir kaum gesehen, es hieß nur: „Lasse hat schon alles, er kümmert sich selbst“.
Lasse Boesen: Ich weiß, was du meinst. (lacht) Ich will immer alles selber machen. Wenn ich kein Handballer wäre, müsste ich mein Leben auch irgendwie auf die Reihe kriegen. Ich bin schließlich 29 Jahre alt und Vater von zwei Kindern. Außerdem habt ihr ja auch genug zu tun. Ich finde, dass man so auch ganz gut die Sprache lernt. In der Bank schaut dich der Sachbearbeiter vielleicht erst einmal komisch an, das zweite Gespräch läuft aber besser, und das dritte ist dann kein Problem.
Wie fast alle „unsere Dänen“ kommst du auch aus einer „Handball- Dynastie“.
Lasse Boesen: Ja. (lacht) Mein Vater ist der „Fynn von Kolding“. Er ist der Manager dort. So bin ich selbstverständlich mit Handball groß geworden. Ich kenne alle im Verein, und die kennen mich auch seit meiner Kindheit. Lustig finde ich, dass der Trainer von meinem vierjährigen Sohn schon mein Trainer in der Jugend war.
Fotos: Christoph Schellhaus
Privat ist Kolding dein Lebensmittelpunkt. Warum wolltest du da sportlich weg?
Lasse Boesen: Genau deswegen. Ich wollte auch etwas anderes sehen. Meine Jahre in Spanien waren toll! Solche Erfahrungen im Ausland öffnen nicht nur sportlich den Horizont. Du lernst eine andere Sprache, entdeckst eine andere Küche, eine andere Mentalität, findest neue Freunde… Es waren sehr schöne drei Jahre, die Zeit möchte ich nicht missen!
Vermisst du etwas aus Spanien?
Lasse Boesen: Nein, eigentlich nicht.
Nicht mal Paella, dein Lieblingsgericht?
Lasse Boesen: Das koche ich mir inzwischen selbst!
In den letzten sechs Jahren hast du fünf Mal den Verein gewechselt. Bist du ein „Reisender“? Müssen wir Angst haben, dass du uns bald wieder verlässt?
Lasse Boesen: NEIN! Ich bleibe hier! Die Wechsel waren übrigens so nicht geplant. Wenn du als dänischer Profihandballer ins Ausland willst, dann willst du nach Spanien oder nach Deutschland. Die Bundesliga ist etwas Besonderes. Und ich finde es fantastisch hier. Sportlich läuft es in Flensburg sehr gut. Meine Familie ist in der Nähe. So kann ich mich 100-prozentig auf meinen Beruf konzentrieren.
Beim deinem erst vierten Heimspiel im SG-Trikot ein Kempa-Trick mit No-Look-Wurf… Das Publikum hat dich geliebt! Wenn so was daneben geht, ist es ganz schön blöd. Man muss sich schon in einer Kulisse sicher fühlen, um sich solche Trickwürfe zu trauen.
Lasse Boesen: Ja, das stimmt! Ich habe aber das Gefühl, dass ich hier sportlich relativ schnell angekommen bin. Man braucht normalerweise länger, um seinen Platz auf dem Spielfeld, in der Mannschaft und bei den Fans zu finden. Hier war das echt unkompliziert. Auch deswegen will ich noch lange bleiben! Und das Tor habe ich doch gemacht! (lacht)







