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Auszeit auf dem Roten Sofa: Oscar Carlén

Bei der Wohnungssuche war dir nur eine Sache wichtig. Du wolltest unbedingt in der Nähe vom Kritz wohnen. Warum?Oscar Carlén: Das Kritz war das Erste, was ich in Flensburg kannte. Dan Beutler sagte mir, es wäre gut. Und ich liebe die Pasta hier.


Hier sind schon legendäre Partys gefeiert worden. Wolltest du wirklich wegen der Pasta am liebsten hierhin?
Oscar Carlén: Klar, von den Partys habe ich auch gehört. Meine Motivation war aber eher die Pasta. (lacht) Außerdem ist die Ecke perfekt für mich. Ich brauche nur ein paar Minuten bis zur Halle, und der Hafen ist nur 100 Meter entfernt.


Du bist mit deinem Vater an die Förde gezogen, eine gemeinsame Wohnung sollte es aber trotzdem nicht sein.
Oscar Carlén: Nein. Die Zeit ist vorbei. Ich habe auch in Schweden alleine gewohnt. Wieder bei den Eltern einzuziehen, wäre doch ein Schritt zurück gewesen. Und das wollte ich nicht.


Dein Vater war als Spieler sehr erfolgreich. Du gehst seinen Weg. Das stelle ich mir nicht immer einfach vor.
Oscar Carlén: So viele Titel zu holen, wie mein Vater, ist fast unmöglich. Er hat mit der damaligen Nationalmannschaft sechs oder sieben Medaillen gewonnen. Es waren aber die 90-er! Diese Erfolge zu wiederholen, wird für unsere Generation der schwedischen Nationalmannschaft schwer. Aber ich gucke nicht auf meinen Vater. Ich denke eher an mich und verfolge meine eigenen Ziele.

Du giltst als „Jahrhundert-Talent“. Ist ja auch ein ganz schöner Druck, wenn man so genannt wird. Versuchst du diesem Titel bei jedem Spiel auch gerecht zu werden?
Oscar Carlén: Hei, ich werde nicht als Jahrhundert-Star sondern als Jahrhundert-Talent bezeichnet. Das ist ein großer Unterschied! (lacht) Talent zu sein bedeutet, dass man auf dem Weg irgendwohin ist. Ich bin noch entfernt von der „Weltklasse“. Das wissen hoffentlich auch die Leute und geben mir ein bisschen Zeit. Ab einem bestimmten Alter will man aber auch nicht mehr als Talent gelten. Ich will einfach gut sein. Das kriege ich in den nächsten Jahren bestimmt hin.

Fotos: Christoph Schellhaus

Das Wort Familie wird bei euch Carléns ganz groß geschrieben. Obwohl deine Mutter nicht nach Flensburg gezogen ist, ist sie sehr oft hier. Auch deine ältere Schwester sieht man bei fast jedem Spiel.
Oscar Carlén: Familie ist sehr wichtig. Das haben wir immer von meinen Eltern vorgelebt bekommen. Meine Mutter ist mit meiner kleinen Schwester in Schweden geblieben, weil sie noch zur Schule geht. Sie kommen aber immer, wenn sie Zeit haben. Meine große Schwester lebt momentan in Kiel, so hat sie eine kürzere Anreise.

Die besagte große Schwester hat sich letztens in der Club100 Lounge mit den Worten verabschiedet „ich muss jetzt nach Kiel, ich kaufe morgen schwangere Kühe“… Kannst du bitte diesen Satz erklären?
Oscar Carlén: (lacht) Ja, klar! Meine Schwester hat ein Jahr in Kiel als Au-Pair-Mädchen gearbeitet. Sie wollte Deutsch lernen. In dieser Zeit wurde ihr ein Job bei einem Export & Import Firma angeboten. Sie suchten jemanden, der schwedisch sprechen kann. Das Unternehmen hat mit Milchproduktion zu tun.  So muss meine große Schwester auch mal schwangere Kühe kaufen.


Und deine kleine Schwester?
Oscar Carlén: Sie hat nichts mit Kühen zu tun. (lacht) Sie ist eine sehr erfolgreiche junge Fußballerin. Sie steht bei der schwedischen Nationalmannschaft im Tor.


In der Vorbereitung war die Mannschaft der SG bei euch in Schweden zu Gast.
Oscar Carlén: Ja, das war schön. Wir hatten ein Trainingslager in Schweden, da hat sich ein Grillabend in unserem Garten angeboten.


Die Spieler waren sehr beeindruckt. Euer Grill soll zwei Meter lang sein!!!
Oscar Carlén: Ja, wir haben einen großen Grill. Da können viele Leute drum herum sitzen. Wir haben gerne Besuch, es können gerne viele Gäste sein. Meine Eltern haben viele Freunde. Wir hatten schon immer ein offenes Haus. Früher habe ich darüber gelacht, dass ich immer mindestens zwei neue Leute kennen lerne, wenn ich nach Hause gehe. Das waren dann Freunde und Bekannte meiner Schwestern. Aber es ist schon lustig, wenn du Menschen in „deinem“ Wohnzimmer fragst, wer sie eigentlich sind.  


Die SG wurde in dieser Saison von vielen zum Außenseiter erklärt. Teilst du diese Einschätzung?
Oscar Carlén: Kiel, Hamburg oder Mannheim haben auf dem Papier eine stärkere Mannschaft. Sie haben große Namen und sind vielleicht breiter aufgestellt. Aber man sollte uns nicht unterschätzen! Unsere Mannschaft hat eine super Einstellung. Die Stimmung stimmt und wir verstehen uns alle trotz der sprachlichen Hürden sehr gut. So kann man auch Spiele gewinnen – auch gegen Topmannschaften!

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