Florian Kehrmann: Das ganze Jahrtausend im TBV-Trikot

Der TBV Lemgo hat einen neuen Werbespot: Ein Geschwister-Paar besucht den Jahrmarkt, entdeckt einen riesigen, flauschigen Teddy-Bären, den es unbedingt gewinnen möchte. Doch vor dem Preis steht das Dosenwerfen, und der Buden-Besitzer erweist sich als Fiesling. Aber es naht Hilfe: Florian Kehrmann. Der Handballer sorgt mit einem satten Wurf für ein Happyend. Nach Hause geht es mit dem Plüschbären.

Es verwundert niemanden, dass der westfälische Bundesliga-Klub seinen Rechtsaußen für diesen Dreh ausgewählt hat. Der 35-Jährige ist inzwischen das Aushängeschild und der Dienstälteste im TBV-Dress. Ja, er ist sogar der treueste Spieler im gesamten Oberhaus. Zwar gibt es einige Akteure, darunter SG-Neuzugang Maik Machulla, die noch früher ihr Debüt in der Bundesliga feierten, aber niemand war so konstant dabei wie Florian Kehrmann. Er ist seit 1999, seit seinem Wechsel aus Solingen, eine feste Größe bei den Lipperländern, hat erst vor Kurzem die Marke von 400 Einsätzen durchbrochen. „Ich fühle mich sehr wohl in Lemgo und habe sportlich einige Erfolge mitnehmen können“, sagt er.

Florian Kehrmann in seinem 400. Bundesliga-Einsatz.

In der Tat: Der Linkshänder hat ruhmreiche Zeiten im TBV-Trikot erlebt. Er stand in der Stammformation bei der souveränen Deutschen Meisterschaft 2003 oder beim DHB-Pokalsieg 2002. Internationale Lorbeeren erntete er 2006 und 2010 mit dem Gewinn des EHF-Cups. Süße Triumphe, die ihn mehrfach für eine Vertragsverlängerung motivierten – trotz lukrativer Anfragen aus Hamburg oder Mannheim.

Angesichts seiner Bodenständigkeit und Erfahrung ist eine Personalie naheliegend: Florian Kehrmann hält das Steuer als TBV-Kapitän weiterhin in der Hand. Er fungiert als wichtiges Bindeglied zwischen Trainer, Geschäftsführung und Mannschaft. Zuletzt war der Routinier voll gefordert. Gehaltskürzungen, der Rücktritt von Manager Fynn Holpert und die vom TBV-Beirat gestellte Strafanzeige gegen TBV-Ikone Volker Zerbe haben die Mannschaft intensiv beschäftigt. Der Handball trat in den Hintergrund. „Ich hätte mir die letzten Wochen gern erspart“, sagt Florian Kehrmann.

 

Florian Kehrmann: Deutscher Meister 2003.

Er weiß, dass er mit seiner Aufgabe auch eine gewisse Vorbildfunktion übernommen hat. „Die älteren Spieler sollten den jungen Spielern vorleben, wie sie sich verhalten sollten – auf dem Platz und abseits des Spielfeldes“, betont der Vater zweier kleiner Kinder. „Ich gebe bei jedem Training Vollgas.“ Er selber habe als junger Spieler von Typen wie Daniel Stephan oder Christian Schwarzer gelernt.

Die Zeiten, als Florian Kehrmann auch in der DHB-Auswahl eine tragende Rolle spielte, scheinen indes vorbei. Anfang 2007 gehörte er zur goldenen Generation, die nach dem Weltmeisterschafts-Finale sangen: „Wenn nicht jetzt, wann dann…“ Doch nach 223 Länderspielen und den Olympischen Spielen in Peking war 2008 Schluss. „Ich hatte das Gespräch mit Heiner Brand gesucht und ihm gesagt, dass ich etwas Abstand brauche", sagt Florian Kehrmann. „Zehn Jahre Nationalmannschaft am Stück waren einfach genug." Nicht genug scheint er vom TBV zu haben. Zwar ist noch unklar, ob der Rechtsaußen seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nochmals verlängert, die Rückennummer 15 ist aber bereits in eine andere Funktion geschlüpft. Der 35-Jährige trainiert die A-Jugend des Vereins.