Starker Auftritt, keine Punkte

18.02.2017 -VELUX EHF Champions League: 33:34 – eine unglückliche Niederlage

Die SG Flensburg-Handewitt verlor mit 33:34 (18:15) gegen Paris Saint-Germain HB. Damit liegt sie in der Gruppe A der VELUX EHF Champions League mit nun 11:9 Punkten auf Rang vier. „Ich bin zufrieden, wenn auch nicht mit den gesamten 60 Minuten“, sagte SG Trainer Ljubomir Vranjes. „Wir dürfen aber auch nicht vergessen, gegen wen wir heute gespielt haben: gegen eine der besten Mannschaften der Welt.“ Sein Gegenüber Noka Serdarusic meinte: „Vor dem Spiel habe ich mir Gedanken gemacht, wie es ohne Luka Karabatic und Mikkel Hansen werden sollte – nun haben wir gewonnen. Gerechter wäre aber ein Unentschieden gewesen.“

Zum ersten Mal erklang in diesem Jahr die Hymne der europäischen Königsklasse in der „Hölle Nord“. Und das gleich für eine absolute Top-Begegnung. Die SG begann ohne Linkshänder im Rückraum. In der ersten Viertelstunde mischte Holger Glandorf nur kurz mit, als Rasmus Lauge eine Zeitstrafe abbrummen musste. Sonst bildeten der Däne, Jim Gottfridsson und Kentin Mahé die zweite Reihe. Der Franzose brach gleich in die Phalanx seiner Landsleute ein und erzielte das 2:1.

Bei Paris fehlte Mikkel Hansen. An Star-Appeal mangelte es dem Gast aber nicht. Uwe Gensheimer, Nikola Karabatic, Thierry Omeyer und Daniel Narcisse waren nur einige der großen Namen. Die SG hielt mit mannschaftlicher Geschlossenheit dagegen und gewann sogar Oberwasser. Jim Gottfridsson passte auf Henrik Toft Hansen, der zum 6:4 einlochte. Anders Eggert kam nur für die Siebenmeter und verwandelte sicher zum 7:6. Sonst agierte Hampus Wanne auf Linksaußen. Nachdem der französische Meister mit dem 8:10 eine passable Antwort gegeben hatte, trumpfte der junge Schwede auf: Zwei Mal vom Flügel – und die SG hatte wieder egalisiert. „Wir haben in der Phase sehr gut kompensiert, dass wir ohne Linkshänder aufgetreten sind“, lobte Ljubomir Vranjes.

Wieder prickelnde Atmosphäre in der FLENS-ARENA.

Neben Holger Glandorf tauchten nun Petar Djordjic und Thomas Mogensen auf dem Spielfeld auf. Der Däne war allerdings nur kurz dabei: Er musste nach einem Zusammenstoß in der Abwehr zur Behandlung in die Kabine. Nach Spielschluss war klar: Thomas Mogensen war im buchstäblichen Sinne mit einem blauen Auge davon gekommen. Petar Djordjic sorgte indes für beste Unterhaltung. Das 12:12 ging auf seine Kappe. Stehende Ovationen hallten durch das Rund. Und als er gleich nachlegte, skandierten die Fans: „Einmal Flensburg, immer Flensburg!“ Die SG spielte stark auf, war nun die bestimmende Mannschaft. Anders Zachariassen, kaum eingewechselt, traf zum 16:14. Dann parierte Mattias Andersson, und der nächste Gegenstoß rollte. Lasse Svan schloss zum 18:15 ab. Riesen-Jubel in der FLENS-ARENA – ein Sieg lag im Bereich des Möglichen. „Wir haben uns einige Undiszipliniertheiten im Angriff erlaubt, die Flensburg für Tempogegenstöße nutzte“, sagte Uwe Gensheimer später.

Nach Wiederbeginn ging es zunächst wunderbar weiter. Anders Zachariassen stellte gleich den ersten Vier-Tore-Vorsprung her. Mattias Andersson parierte gegen Nikola Karabatic, Paris hatte Mühe, im Schlepptau zu bleiben. Die Fans erlebten einen temporeichen Schlagabtausch, in der Nachlässigkeiten sofort bestraft wurden. Als die SG in einer Phase Fehlwürfe und technische Fehler produzierte, rückte PSG auf 23:22 heran. „Es ist nicht erstaunlich, dass wir bei diesem Tempo nicht fehlerfrei gespielt haben“, merkte Ljubomir Vranjes an. „Wichtig ist, dass wir aus diesen Fehlern die richtigen Rückschlüsse ziehen und daraus lernen.“

Holger Glandorf griff nach 15 Minuten ein.

Die SG antwortete in Form von Rasmus Lauge, der mit zwei kraftvollen Würfen das 26:24 markierte und kurz Zeit für ein Jubel-Tänzchen vor der Nordtribüne fand. Pech hatte Holger Glandorf, der nur den Pfosten traf. Im Gegenzug glich Uwe Gensheimer per Strafwurf aus. Ljubomir Vranjes wechselte die Torhüter. Kevin Møller hielt gleich den ersten Wurf, im Gegenstoß stürmte Rasmus Lauge zum 27:26. Keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Der 27:28-Führungstreffer für Paris störte allerdings die Euphorie. „Zum Glück sind wir cool geblieben“, meinte Uwe Gensheimer. „Mit unseren langgezogen Angriffen haben wir Flensburg bisweilen müde gespielt.“

Lasse Svan zieht erfolgreich ab.

Die SG hatte jedoch viel rotiert und hatte so noch genug Sprit im Tank. Das galt besonders für Jim Gottfridsson, der mit drei Treffern in Kürze die Fans in Ekstase versetzte. 31:29! Dann begeisterte Kevin Møller mit einer Doppelparade. PSG-Keeper Gorazd Skof stand dem im ersten Anlauf nicht nach, musste beim Nachwurf von Hampus Wanne dann doch hinter sich greifen. Die Entscheidung war das nicht. Mit drei Toren in Serie, zum Teil in Unterzahl, stellte Paris wieder den Gleichstand her. Puh, war das spannend! Alle erhoben sich von ihren Plätzen. Holger Glandorf, dann Luc Abalo – 33:33 hieß es, als die letzte Minute anbrach. Der letzte SG Angriff mündete in einen Ballverlust. So hatte der französische Meister noch 15 Sekunden, um einen doppelten Punktgewinn einzufahren. Und die nutzte er in Weltklasse-Manier: Einen Kempa-Trick schloss Nedim Remili ab. Der Gast hatte gewonnen, die Hausherren mussten eine unnötige Niederlage verdauen. „Flensburg, Flensburg!“, riefen die Fans. Diese aufbauende Geste hatten die Spieler verdient, die alles in die Waagschale geworfen hatten. „Es macht Spaß, gegen solche Mannschaften zu spielen“, bilanzierte Kentin Mahé. „Noch mehr Spaß hätte ein Sieg gebracht. Wir müssen aber wegen unserer Leistung nicht die Köpfe hängen lassen.“

Rasmus Lauge traf fünf Mal. Fotos: Ki

 

SG Flensburg-Handewitt – Paris Saint-Germain HB 33:34 (18:15)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (8 Paraden), Møller (4 Paraden, ab 46.) – Eggert (5/5), Glandorf (2), Mogensen, Svan (4), Wanne (3), Djordjic (3), Heinl, Zachariassen (2), Toft Hansen (1), Gottfridsson (4), Lauge (5), Mahé (4), Radivojevic
Paris Saint-Germain HB: Skof (10 Paraden, ab 31.), Omeyer (6 Paraden) – Möllgaard (3), Kounkoud (1), Abalo (3), Narcisse (5), N. Karabatic (4), Gensheimer (5/2), Remili (6), Nielsen (7), Stepancic, Accambray
Schiedsrichter: Gjeding/Hansen (Dänemark); Zeitstrafen: 4:4 Minuten (Lauge 2, Heinl 2 – Stepancic 2, Karabatic 2); Siebenmeter: 5/5:2/2; Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:1 (2.), 2:1 (4.), 3:2 (6.), 4:3 (8.), 6:4 (10.), 6:6 (11.), 7:8 (14.), 8:10 (16.), 10:10 (18.), 11:12 (20.), 14:12 (23.), 15:13 (25.), 16:15 (27.) – 19:15 (31.), 20:17 (33.), 22:18 (35.), 23:19 (37.), 23:22 (39.), 25:22 (41.), 25:24 (43.), 26:26 (46.), 27:28 (49.), 30:28 (51.), 32:29 (55.), 32:32 (57.), 33:32 (59.)

 

Von: ki