Den fünften Pokal-Triumph verpasst

09.04.2017 -REWE Final Four: 23:29 – der THW war einfach besser

Es hat nicht gereicht. Im Endspiel um den DHB-Pokal verlor die SG Flensburg-Handewitt gegen den THW Kiel mit 23:29 (12:13). Dabei hatte vor allem die Offensive des sonst so spielfreudigen Tabellenführers der DKB Handball-Bundesliga ihre liebe Not. „Der THW war heute in allen Belangen besser als wir“, gratulierte SG Kapitän Tobias Karlsson. „Das tat weh, das war eine Enttäuschung – aber wir werden zurückgekommen, denn wir haben in dieser Saison noch etwas vor.“ Auch SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke beglückwünschte die Kieler: „Der THW war definitiv fokussierter, Kompliment. Ein Riesenlob möchte ich auch unseren Fans aussprechen, die uns beide Tage super unterstützt haben.“

Bisweilen wurde um jeden Zentimeter gekämpft.

Für den Handball war es sicherlich ein großartiger Nachmittag: Vor der ohrenbetäubenden Kulisse von 13.200 Zuschauern im Pokal-Mekka Hamburg erwischte die SG den besseren Start. Sie ging durch einen verwandelten Siebenmeter von Anders Eggert und Treffern von Rasmus Lauge sowie Holger Glandorf mit 3:1 in Führung. Dann jedoch bissen sich „Ljubos Jungs“ die Zähne an der unglaublich beweglichen und offensiven Kieler Deckung aus, hinter der Keeper Niklas Landin einige starke Paraden zeigte. So gelang der SG knapp neun Minuten lang kein Tor. „Alle Handballer wissen, was es bedeutet, wenn Abwehr und Torwart funktionieren“, beobachtete SG Trainer Ljubomir Vranjes, wie sich der Gegner in einer Aufstiegsspirale befand.

Anders Eggert hatte in seinem letzten Final Four kein Glück.

Erst Spielmacher Thomas Mogensen brach nach einem schönen Spielzug über den Kreis den Bann. 4:6! Es folgte eine Phase, in der die SG voll in der Partie war und die Euphorie in der SG Ecke befeuerte. Durch Lasse Svan und Rasmus Lauge gelang nach 18 Minuten sogar der Ausgleich. Nach dem 10:10 leistete sich das Vranjes-Team jedoch zwei technische Fehler, die der THW Kiel für einen Zwei-Tore-Vorsprung nutzte. Die SG, die auf 12:13 verkürzte, hatte eine Sekunde vor der Schlusssirene durch Rasmus Lauge die Möglichkeit zum Ausgleich. Doch sein Wurf ging zu zentral auf das Kieler Tor, sodass der überragende Niklas Landin parieren konnte. „Er war überragend, die Abwehr aber auch sehr stark, nachdem sie gegen Leipzig eine Halbzeit große Problem gehabt hatte“, registrierte THW-Coach Alfred Gislason. „Vielleicht war es heute ein Vorteil, dass wir drei Stunden länger zur Regeneration hatten.“

Holger Glandorf traf vier Mal. Fotos: Ki.

Im zweiten Durchgang ging es zunächst noch hin und her, doch nach 36 Minuten schloss die THW-Defensive ihre Schleusen längerfristig. „Wenn wir mal durchkamen, stand immer noch ein Niklas Landin im Weg“, stöhnte Ljubomir Vranjes. Der am Vortag überragende Rasmus Lauge wurde von den „Zebras“ ebenso aus dem Spiel genommen wie Mittelmann Thomas Mogensen. Der frisch eingewechselte Jim Gottfridsson wurde von Abwehrchef Patrick Wiencek mit harten Aktionen „begrüßt“ und fand auch keine Lücken. Zudem kassierte Jacob Heinl im Mittelblock beim Stande von 15:16 eine umstrittene Zeitstrafe gegen den umsichtigen und in die Nahtstellen gehenden THW-Spielmacher Domagoj Duvnjak. Alles lief für die Kieler, die auf 21:15 davonzogen.

Ljubomir Vranjes nahm seine dritte Auszeit und schwor sein Team noch einmal ein. Doch nach dem 21:16 scheiterte Kentin Mahé per Gegenstoß an Niklas Landin. Der THW machte den Sack zu und verwandelte den Volkspark in eine Party-Meile. „Es ist doch schön“, strahlte THW Manager Thorsten Storm, „wie unsere Fans feiern und die Mannschaft gelöst ist.“ Ljubomir Vranjes bilanzierte derweil und warf dabei auch einen Blick in die nahe Zukunft: „Gestern hat meine Mannschaft fantastisch gespielt – heute leider nicht. Wir lassen uns aber nicht unterkriegen, wir werden nach vorne schauen. Zunächst einmal haben sich meine Jungs in jedem Fall ein Bier verdient.“

Kentin Mahé schaffte den 15:16-Anschluss.

 

THW Kiel – SG Flensburg-Handewitt  29:23 (13:12)
THW Kiel: Landin (17/1 Paraden), Wolff (1/1 Parade, bei einem 7m) – Duvnjak (7), Vujin (4), Wiencek (4), Ekberg (6/2), Toft Hansen, Weinhold (1), Nilsson, Santos (1), Dahmke (3), Bilyk (3), Brozovic
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (9 Paraden), Møller (3 Paraden, ab 45.) – Karlsson, Eggert (2/2), Glandorf (4), Mogensen (1), Svan (3), Djordjic (2), Jakobsson, Heinl (1), Toft Hansen (2), Gottfridsson, Lauge (4), Mahé (4)
Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg/Dodendorf); Zeitstrafen: 6:8 Minuten (Toft Hansen 2, Weinhold 2, Bilyk 2 – Karlsson 2, Svan 2, Heinl 2, Lauge 2); Siebenmeter: 2/2:4/2 (Eggert scheitert an Landin und Wolff); Zuschauer: 13.200 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:2 (3.), 1:3 (4.), 6:3 (11.), 7:4 (12.), 7:7 (18.), 9:8 (20.), 10:10 (24.), 12:10 (26.), 13:11 (27.) – 15:13 (33.), 16:15 (36.), 21:15 (44.), 23:16 (47.), 23:18 (49.), 24:19 (50.), 25:20 (51.), 26:22 (57.), 28:22 (59.)

Von: jös/ki