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In der Schlussphase ein Remis gerettet

26.12.2017 -DKB Handball-Bundesliga: 27:27 – dramatische Weihnachten mit der SG

Die SG Flensburg-Handewitt verpasste im Weihnachtsspiel erstmals einen Sieg. Sie trennte sich von der TSV Hannover-Burgdorf mit 27:27 (13:12) und blieb mit nunmehr 28:10 Punkte auf dem vierten Rang der DKB Handball-Bundesliga. „Wir müssen mit dem einen Punkt zufrieden sein“, bilanzierte SG Trainer Maik Machulla. „Aber insgesamt fühlt es sich alles andere als gut an.“ Sein Kollege Carlos Ortega hatte definitiv die bessere Laune. „Ich bin stolz auf mein Team, es hat sehr hart gearbeitet“, meinte der Spanier. „Als wir fünf Minuten vor Schluss mit vier Treffern führten, hatten wir offensichtlich Angst vor dem Sieg – aber vor der Partie konnten wir nicht von einem Punktgewinn ausgehen.“

6300 Zuschauer – die FLENS-ARENA war bis auf dem letzten Platz gefüllt. Die Fans sahen, wie Holger Glandorf, Rasmus Lauge und Thomas Mogensen die Startaufstellung bildeten. Letzterer, das SG Urgestein, brach gleich durch und befeuerte die Stimmung. Dennoch war allen klar, dass schwierige 60 Minuten vor der SG liegen würden. Ein Zeitspiel drohte: Aktivposten Holger Glandorf machte trotzdem das 5:4. Eine erste Unterzahl folgte: Der extra eingewechselte Marius Steinhauser eroberte zwar den Ball, der nächste Angriff versandete allerdings. Dann war gegen das satte Geschoss von TSV-Linkshänder Kai Häfner kein Kraut gewachsen.

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Beim 7:7 schallten stürmische Anfeuerungsrufe durch die Halle: „Flensburg! Flensburg!“ Rasmus Lauge brachte die Hausherren zwar in Front, dann geriet die SG jedoch in ein kleines Tief. Beim 8:10 stand sie mit dem Rücken zur Wand. Das Personal veränderte sich. Jim Gottfridsson agierte nun in der Offensivzentrale. Jacob Heinl entlastete den vorne stark eingebundenen Holger Glandorf in der Deckung. Kevin Møller kam in den Kasten und begeisterte die „Hölle Nord“ gleich mit einer Parade. „Hannover spielte im Angriff lange und geduldig, stellte uns dabei immer wieder vor neue Aufgaben“, beobachtete Maik Machulla. „Am Ende fehlte dann oft die Aggressivität, um auch den letzten und entscheidenden Wurf zu verhindern – das war mental sehr schwierig zu verarbeiten.“

Jim Gottfridsson ist wieder voll im Team.

Anders Zachariassen war nun im Mittelblock gefordert. Er stibitzte Kai Häfner den Ball weg und leitete einen Gegenstoß ein, den Holger Glandorf zum 9:10 abschloss. Ein Doppelschlag von Lasse Svan sorgte für den Ausgleich. Kentin Mahé und Rasmus Lauge setzten zwar jeweils einen Siebenmeter auf die Latte, dennoch bejubelte die „Hölle Nord“ vor dem Seitenwechsel noch die 13:12-Führung. Torschütze war natürlich Holger Glandorf. Im Gegenzug sicherte Kevin Møller mit einer Glanztat gegen Casper Mortensen den Pausenstand.

Die SG begann den zweiten Durchgang mit einem Mann weniger und musste allen Einsatz investieren, um wieder den Faden zu finden. Als Lasse Svan den ersten Treffer in der zweiten Hälfte erzielte, waren schon fast fünf Minuten gespielt. Hannover agierte weiterhin gefährlich, die SG antwortete häufiger mit der schnellen Mitte. Rasmus Lauge markierte das 17:16 – und auch das 18:17. An ein Polster war aber nicht zu denken. „In der Offensive lief es phasenweise sehr gut“, meinte Maik Machulla. „Dann kam auch stets die Halle, aber uns fehlte der Killer-Instinkt, um uns abzusetzen.“

Holger Glandorf war einer der Aktivposten. Fotos: Ki

Beim 20:21 legte der Coach seine grüne Karte auf den Tisch. Nach der einminütigen Unterbrechung setzte sich zwar Jim Gottfridsson durch, es unterliefen in dieser Phase aber zu viele Fehler. Zu allem Überfluss traf Kentin Mahé bei einem Strafwurf nur den Pfosten. Ärgerlich! Kai Häfner hatte indes einen Lauf und erhöhte auf 22:25. Ein Team-Timeout und knapp acht Minuten blieben der SG noch. Sie versuchte es mit einer 5:1-Abwehr, an deren Spitze „Joker“ Kentin Mahé eingriff. „Er hat die Rolle, dann einzugreifen, wenn es brennen würde“, erklärte Maik Machulla. „Das war zehn Minuten vor Schluss der Fall.“

Siebenmeter und Heber – das passte nicht.

Doch zunächst wurde es noch bedrohlicher. Morten Olsen ließ sich nicht stoppen und markierte das 23:27. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt: Ein schneller Treffer von Hampus Wanne, dann zwei Ballgewinne, die Rasmus Lauge nutzte – plötzlich hieß es nur noch 26:27. Und noch 2:45 Minuten standen auf der Uhr. Der nächste Angriff der Niedersachsen zog sich quälend in die Länge. Kevin Møller hielt, doch der Ball landete im Seitenaus. Die Schiedsrichter signalisierten passives Spiel, mussten die Partie aber immer wieder wegen Fouls unterbrechen. Dann warf Mait Patrail, fand seinen Meister aber in Kevin Møller. Hampus Wanne hatte die Chance zum Ausgleich, scheiterte jedoch an Malte Semisch. Offene Manndeckung: Lasse Svan war sofort dazwischen. Über Anders Zachariassen kam der Ball zu Kentin Mahé, der das Unentschieden herstellte.

Die letzten Sekunden überstand die SG schadlos und hatte mit letzten Reserven zumindest einen Punkt gerettet. Damit konnte Rasmus Lind in einem würdigen Rahmen verabschiedet werden. „Du hast uns sehr geholfen, als wir nach der schweren Verletzung von Kevin einen Torwart brauchten“, sagte Dierk Schmäschke. In der Pressekonferenz sprach der SG Geschäftsführer allgemeine Worte: „Vom Gefühl her wäre es schöner gewesen, mit einem Sieg in die Pause zu gehen. Nun werden wir uns erst einmal alle sammeln und die Zeit nutzen, um uns sehr gut auf die Rückrunde vorzubereiten. Hoffentlich kommen unsere EM-Fahrer alle gesund zurück.“

Rasmus Lind wurde nach der Partie verabschiedet.

 

SG Flensburg-Handewitt – TSV Hannover-Burgdorf 27:27 (13:12)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (2 Paraden), Møller (14 Paraden, ab 18.) – Karlsson, Glandorf (5), Mogensen (2), Svan (3), Wanne (2), Jeppsson, Steinhauser, Heinl, Zachariassen, Toft Hansen (2), Gottfridsson (3), Lauge (7), Mahé (3/2)
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (7 Paraden), Semisch (5 Paraden, ab 38.) – Patrail (2), Häfner (9), Karason (1), Böhm (1), Kastening (1), Olsen (6), Johannsen, Mortensen (5/2), Christophersen, Brozovic (1), Pevnov (1)
Schiedsrichter: Blümel/Loppaschewski (Berlin); Zeitstrafen: 4:4 Minuten (Svan 2, Gottfridsson 2 – Christophersen 2, Mortensen 2); Siebenmeter: 5/2:2/2 (Mahé und Lauge treffen Latte, Mahé an den Pfosten); Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 1:0 (1.), 1:2 (2.), 3:2 (4.), 4:3 (6.), 5:4 (8.), 5:6 (11.), 7:6 (13.), 8:7 (16.), 8:10 (19.), 9:11 (23.), 11:11 (24.), 11:12 (25.) – 13:13 (31.), 14:13 (35.), 15:14 (36.), 16:15 (37.), 17:16 (38.), 18:17 (39.), 18:19 (42.), 20:19 (43.), 20:21 (46.), 21:23 (48.), 22:25 (53.), 23:27 (56.)

 

Von: ki