Stripes
mogensen

Pech im 89. Landesderby

13.11.2016 -DKB Handball-Bundesliga: 23:24 – der verflixte Innenpfosten

Im 89. Landesderby fehlten nur Nuancen: Die SG Flensburg-Handewitt musste in der DKB Handball-Bundesliga ihre erste Niederlage einstecken. Nach dem 23:24 (14:11) beim THW Kiel fiel sie auf den dritten Rang zurück, während die „Zebras“ nun Spitzenreiter sind. „In der ersten Halbzeit haben wir nahezu optimal gespielt“, bilanzierte SG Coach Ljubomir Vranjes. „Dann taten wir uns schwer mit der THW-Abwehr, haben viele einfache Fehler gemacht. Deshalb hat der THW gewonnen.“ SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke ergänzte: „Es war ein enges, hochklassiges Derby. Wenn es kein Unentschieden gibt, dann ist eine Mannschaft zwangläufig die glücklichere.“

Das hatte es wohl noch nie gegeben: Gleich 18 Spieler der SG machten sich warm. Bei Anpfiff nahmen gleich fünf hinter der Bank Platz. Auf dem Spielfeld zogen Holger Glandorf, Kentin Mahé und Thomas Mogensen, der den ersten Treffer erzielte, die Strippen. Die SG kam sehr gut aus den Startlöchern. Holger Glandorf erzielte das 1:3. Die THW-Rufe schallten durch das Rund, die Hausherren schienen in Gang zu kommen. Nach zehn Minuten hieß es 4:4. Mattias Andersson hielt stark, sein Gegenüber Andreas Wolff war ebenfalls ein glänzender Rückhalt.

Starker Rückhalt: Mattias Andersson.

Alle Achtung: Die SG agierte sehr überzeugend, gewann Oberwasser. Der Rückraum wirkte sehr effizient, dann mündete ein Spielzug bei Anders Eggert, der zum 4:6 einschob. Die THW-Variante mit zwei Linkshändern im Rückraum war schnell verpufft. Der Mittelblock um Tobias Karlsson und Henrik Toft Hansen arbeitete gut, und dahinter lauerte ein höchst aufmerksamer Mattias Andersson. Lasse Svan erhöhte mit seinem ersten Wurf von Rechtsaußen auf 7:10. Die SG Fans, direkt unter dem Dach, waren deutlich zu vernehmen: „Kiel, wir hören nichts!“

Dem heimischen Publikum stockte kurz darauf erneut der Atem. Mattias Andersson parierte einen Strafwurf von Marko Vujin. Henrik Toft Hansen bekam in der engen 6:0-Deckung der „Zebras“ Freiräume und nutzte sie zwei Mal. Und schon wieder ein Ballgewinn: Anders Eggert konterte zum 7:13. „Vielleicht waren wir in der ersten Halbzeit ein bisschen zu heiß, die SG war fokussierter“, beobachtete THW-Trainer Alfred Gislason. „Zumindest landeten die Abpraller bei der SG. Wir haben auch in der Vorwärtsbewegung Fehler gemacht und schlossen die Angriffe unvorbereitet ab – das darf man sich gegen die SG nicht erlauben.“

In der ersten Hälfte lief es fast optimal.

Ljubmir Vranjes setzte weitgehend auf seine erste „Acht“: Lediglich Jim Gottfridsson und Anders Zachariassen bekamen kurze Spielanteile. Ärgerlich, dass der THW in den letzten drei Minuten Ergebnis-Kosmetik betrieb. Das 11:14 zur Pause sah für die Gastgeber freundlicher aus, als die ersten 30 Minuten tatsächlich waren. „Die ersten 27 Minuten waren überragend“, erklärte Dierk Schmäschke. „Dann haben wir uns bis zur Pause aus dem Rhythmus bringen lassen und kassierten zwei unglückliche Gegentore.“

Nach Wiederbeginn machten die Torhüter da weiter, wo sie aufgehört hatten: mit Paraden. Es wurde hektischer, was den Hausherren mehr nutzte als dem Gast. Die SG verlor zeitweise den Kopf, blieb über zehn Minuten ohne Feldtor. Die Sparkassen-Arena war wieder voll erwacht, als Patrick Wiencek zum 15:15 ausglich. Auch ein durch Mattias Andersson parierter Gegenstoß, die kurzfristige Einwechslung von Rasmus Lauge und ein Team-Timeout konnten die erste THW-Führung nicht verhindern. „Hier ging richtig die Post ab“, freute sich THW-Manager Thorsten Storm. „Unsere Fans haben unserer Mannschaft geholfen, über den Kampf zurückzukommen.“

Erzielte Zwei Tore: Kentin Mahé. Fotos: Ki

Dann endlich brach Lasse Svan den Bann. Johan Jakobsson wirkte nun mit und stellte Andreas Wolff vor neue Aufgaben. Der Schwede besorgte mit einem Doppelschlag das 17:18. Und der nächste Paukenschlag: Mattias Andersson wehrte einen Siebenmeter von Raul Santos ab. Thomas Mogensen sorgte zwar noch für das 18:19, dann allerdings setzte der THW die Akzente. Technische Fehler der SG verwertete der Gastgeber und legte dank Niclas Ekberg ein 22:20 vor. Die SG gab nie auf, blieb stets im Schlepptau. 48 Sekunden vor Ultimo erzielte Lasse Svan das 24:23. Die SG eroberte tatsächlich noch einmal den Ball. Der Gegenstoß lief: Kentin Mahé und dann Lasse Svan scheiterten an Andreas Wolff. Aber es gab Siebenmeter. Was für eine dramatische Zuspitzung! Leider setzte Anders Eggert den Ball an den Innenpfosten. „Wir kamen wieder zurück in die Partie und hätten mit dem Siebenmeter sogar ein verdientes Unentschieden erreichen können“, ärgerte sich Ljubomir Vranjes. „Er wurde verworfen – so ist Handball.“

In diesem Derby steckten viele Emotionen.

 

THW Kiel – SG Flensburg-Handewitt 24:23 (11:14)
THW Kiel: Landin (bei einem 7m), Wolff (22/1 Paraden) – Duvnjak (5), Vujin (2), Wiencek (5), Ekberg (4), Toft Hansen, Weinhold (4), Nilsson (1), Santos, Dahmke (2), Bilyk (1), Zeitz
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (19/2 Paraden) – Karlsson, Eggert (5/3), Glandorf (2), Mogensen (5), Svan (3), Jakobsson (3), Zachariassen, Toft Hansen (3), Gottfridsson, Lauge, Mahé (2)
Schiedsrichter: Pritschow/Pritschow (Stuttgart); Zeitstrafen: 10:6 Minuten (Zeitz 4, Wiencek 2, Dahmke 2, Nilsson 2 – Mogensen 4, Toft Hansen 2); Siebenmeter: 2/0:5/3 (Vujin und Santos scheitern an Andersson – Eggert scheitert an Wolff und trifft Pfosten); Zuschauer: 10285
Spielverlauf: 0:1 (3.), 1:3 (7.), 3:3 (8.), 4:4 (10.), 4:6 (12.), 5:8 (14.), 6:9 (18.), 7:10 (19.), 7:13 (25.), 8:14 (27.) – 11:15 (32.), 16:15 (42.), 17:16 (46.), 17:18 (48.), 18:19 (50.), 20:19 (52.), 22:20 (54.), 23:21 (55.), 24:22 (59.)

 

Von: ki