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Niederlage im Spitzenspiel

28.05.2017 -DKB Handball-Bundesliga: 21:23 – Titelhoffnungen auf Minimum gesunken

Enttäuschung in der FLENS-ARENA! Die SG Flensburg-Handewitt verlor gegen die Rhein-Neckar Löwen mit 21:23 (11:13) und hat nur noch geringe Chancen, zum zweiten Mal nach 2004 die deutsche Meisterschaft zu erringen. „Diese Niederlage tut weh, mehr als sonst“, meinte SG Trainer Ljubomir Vranjes nach dem Abpfiff. „Die Mannschaft hat gekämpft und Leidenschaft gezeigt, aber die Kleinigkeiten waren leider nicht auf unserer Seite.“ SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke ergänzte: „Diese Saison ist noch nicht vorbei, aber die Rhein-Neckar Löwen haben einen großen Schritt gen Meisterschaft getan.“

Es hätte alles so schön werden können: Die Euphorie in der Region war schon einige Stunden vor Anpfiff zu spüren. Das erste Stimmungszentrum des Tages war der Südermarkt: Schließlich marschierten 400 Fans gemeinsam zur FLENS-ARENA. „Flensburg-Handewitt“, erschallte es in den Straßen Flensburgs. In der „Hölle Nord“ gab es schon eine Stunde vor dem Anpfiff Gesänge. Dann der Einmarsch: Frenetischer Jubel eröffnete endgültig den Auftakt für die „Löwenjagd“. Die SG startete im Rückraum ohne Linkshänder und setzte zunächst auf Thomas Mogensen, Jim Gottfridsson und Rasmus Lauge. „Wir mussten so spielen und hatten keine andere Wahl“, erklärte Ljubomir Vranjes später. Dann wurde bekannt: Johan Jakobsson hatte vor zwei Wochen gegen Lemgo einen Bruch an der rechten Hand erlitten und konnte deshalb nur sporadisch in der Offensive und überhaupt nicht in der Defensive eingesetzt werden.

Johan Jakobsson stellte sich in den Dienst der Mannschaft.

Die ersten Tore erzielte der Gast, der mit einer 5:1-Abwehr operierte. Dann sorgte Anders Eggert mit einem verwandelten Siebenmeter zum 1:2 für den ersten Torjubel des Tages. Stehende Ovationen begleiteten fast jede Aktion. Dennoch brauchte die SG einige Minuten, um in Fahrt zu kommen. Henrik Toft Hansen schaffte vom Kreis den Ausgleich, Kentin Mahé markierte das 5:4. Die erste Führung hatte an diesem Nachmittag allerdings einen einmaligen Charakter. Die Rhein-Neckar Löwen, die mit ihrem Antreiber Andy Schmid und dem agilen Alexander Petersson angriffen, gewannen wieder Oberwasser. „Beiden Mannschaften hat man angemerkt, was heute auf dem Spiel stand“, analysierte Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen. „Gerade die Angriffsreihen hatten ihre Probleme. Unsere Abwehr hat indes gut gearbeitet, und Mikael Appelgren hat sehr gut gehalten.“

An der Unterstützung der Fans lag es nicht.

Brenzlig wurde es, als die Gäste einige Ballverluste zu schnellen Gegenstößen nutzten. Patrick Groetzki legte den Ball souverän zum 6:9 in die Maschen. Die „Hölle Nord“ erhob sich und leistete Rückendeckung, über die Außen Anders Eggert und Lasse Svan glückte der Anschluss. Sensationell der weite Abwurf von Mattias Andersson, den Lasse Svan gekonnt abfing und zum 10:10 abschloss. Die FLENS-ARENA war ein Tollhaus. Obwohl der zwischenzeitlich eingewechselte Johan Jakobsson zum 11:11 durchbrach, ging es mit zwei Toren Rückstand in die Kabine. „Das war ein Kampf zweier Mannschaften auf Augenhöhe, die sich gegenseitig zu Fehlern gezwungen haben“, zog Dierk Schmäschke ein Zwischenfazit.

Mit aufmunterndem Applaus kehrte die Mannschaft zurück. Mit drei Fehlwürfen erwischten die Hausherren allerdings einen denkbar schlechten Start in den zweiten Durchgang. Dann sorgte Kentin Mahé, nun über den linken Flügel, für ein Lebenszeichen, dass Mattias Andersson von Minute zu Minute mit seinen Paraden vergrößerte. Rasmus Lauge schaffte den 14:14-Gleichstand. Die Süddeutschen nahmen ihre zweite Auszeit. Kurz darauf zuckte auch Ljubomir Vranjes die grüne Karte. Anders Zachariassen sollte am Kreis die 5:1-Deckung der Löwen beschäftigen. Allerdings interpretierte der Kontrahent seine Deckung kurz darauf defensiver.

Mattias Andersson drehte in der zweiten Hälfte auf.

Der Tabellenführer aus Baden hatte gegen die SG Abwehr schwer um jeden Erfolg arbeiten müssen. Deshalb operierten sie nun mit sieben Angreifern. „Dadurch sind wir zu ein paar schnellen Toren gekommen, die uns zurück ins Spiel brachten“, erklärte Nikolaj Jacobsen. Kentin Mahé marschierte mit einem überraschenden Antritt über die rechte Außenbahn zum 18:18. Mit einem Doppelschlag setzten sich die Gäste wieder ab. Beim 19:21 das letzte Team-Timeout der SG. Treffer von Rasmus Lauge und Kentin Mahé ließen die SG weiter hoffen. Das Remis war möglich: Kentin Mahé verfehlte nach einem Ballgewinn das verwaiste Löwen-Gehäuse knapp, wenig später fand Rasmus Lauge seinen Meister in Mikael Appelgren. Als Andy Schmid 24 Sekunden vor Ultimo das 21:23 warf, waren die Partie – und wohl auch die deutsche Meisterschaft entschieden. „Um heute als Sieger die Halle zu verlassen, hätten wir weniger technische Fehler fabrizieren dürfen“, merkte Ljubomir Vranjes kritisch an.

Kentin Mahé erzielte fünf Treffer. Fotos: Ki.

SG Flensburg-Handewitt – Rhein-Neckar Löwen   21:23 (11:13)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (15 Paraden) – Karlsson, Eggert (3/1), Mogensen (1), Svan (4), Jakobsson (2), Heinl, Zachariassen, Toft Hansen (2), Gottfridsson (2), Lauge (2), Mahé (5/1)
Rhein-Neckar Löwen: Appelgren (17 Paraden), Palicka (bei einem 7m) – Schmid (5), Sigurdsson (2/1), Baena (1), Mensah (2), Pekeler (1), Groetzki (4), Reinkind, Guardiola, Petersson (5), Ekdahl du Rietz (3)
Schiedsrichter: Geipel/Helbig (Steuden/Landsberg); Zeitstrafen: 6:2 Minuten (Eggert 2, Toft Hansen 2, Lauge 2 – Ekdahl du Rietz 2); Siebenmeter: 3/2:1/1 (Eggert wirft über das Tor); Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:2 (3.), 1:3 (6.), 2:4 (7.), 5:4 (12.), 5:6 (16.), 6:7 (17.), 6:9 (20.), 8:9 (23.), 10:10 (25.), 11:11 (28.) – 11:14 (33.), 14:14 (41.), 15:15 (45.), 16:17 (47.), 18:18 (49.), 18:20 (51.), 19:21 (52.), 20:22 (55.), 21:22 (56.), 21:23 (60.)

 

 

Von: ki