HC Banik Karvina

Der HC Banik Karvina ist der sportliche Botschafter der gut 60000 Einwohner zählenden Stadt im Nordosten der Tschechischen Republik. Zwar ist der Hauptsponsor „OKD" ein Tiefbau-Unternehmen, aber schon der Vereinsname verrät so manches über die Ursprünge des oberschlesischen Handballs in den 50er Jahren. Banik heißt ganz einfach „Bergbauarbeiter". Karvina liegt im Herzen eines großes Steinkohle-Reviers, das zwangsläufig die Schwerindustrie anzog. Und zur populären Leibesertüchtigung entwickelte sich der Handball. Banik Karvina war schon zu CSSR-Zeiten zwei Mal Meister, ehe sich die letzte Dekade besonders ruhmreich entwickelte. Von 2000 bis 2010 war der HC Banik bis auf 2003 immer Titelträger Tschechiens.
Diese Erfolge übertünchen allerdings nur den generellen Abwärtstrend im tschechischen Vereins-Handball. Die Zeiten, als Dukla Prag sogar den Europapokal der Landesmeister (1963, 1984) gewann, sind lange vorbei. Derzeit ist der tschechische Meister in der Champions League noch nicht einmal startberechtigt. Schon mit dem Zusammenbruch des Ostblocks verlor die Sportförderung an Dynamik. Als Tschechien 2004 der Europäischen Union beitrat, fielen auch die letzten Wechsel-Barrieren für die Ballwerfer. Das Geld des Westens lockte.
Auch der HC Banik stand dem Aderlass gen Deutschland, Österreich, Frankreich oder Italien hilflos gegenüber. Binnen zwei Jahren verließen gleich zehn Leistungsträger den Top-Klub aus Karvina. Darunter bekannte Namen wie Martin Galia (heute TV Großwallstadt), Ondrej Zdrahala (DHC Rheinland), Milos Putera (TV Hüttenberg), Pavel Horak (FA Göppingen), Jan Sobol und David Juricek (beide lange Montpellier HB). „Unter den bestehenden Bedingungen können wir unsere Spieler im Prinzip nur so ausbilden, dass sie sich für das Ausland empfehlen und sich dann dort mit eigenem Fleiß bessere Verträge erarbeiten", meint Rastislav Trtik.
Der 50-Jährige ist seit dieser Saison – nach Amtszeiten in den 90er Jahren und 2008 – wieder in Karvina. Der ehemalige Bundesliga-Trainer, der 2005 mit der MT Melsungen aufstieg und die Klasse hielt, hat ein junges Team mit einem Altersdurchschnitt von 23 Jahren beisammen. „Bei uns ist es so", erklärt der erfahrene Coach. „Mit spätestens 25 Jahren muss der Durchbruch und der Wechsel ins Ausland erfolgt sein. Sonst gibt es eine Profi-Karriere nur als Ingenieur, Journalist oder auf der Baustelle." 
Bis auf einen Spieler haben alle die Karvina-Talentschmiede durchwandert. Die Ausnahme ist Torwart Lubomir Drapal, ein Slowake. In der letzten Serie sah es noch etwas anders aus. Doch Jan Faith, ein zweiter Slowake, wechselte zum sächsischen Drittligisten EHV Aue. Die Polen Krzystof Lyzwa und  Michal Ballwas kehrten in ihre Heimat zurück. Ferner schloss sich Eigengewächs Michal Mrozek dem mitteldeutschen Oberligisten HSV Bad Blankenburg an.
In der letzten Serie belegte Banik Karvina den dritten Rang in der Extraliga, errang aber den tschechischen Pokal. „Wenn wir diesmal Dritter werden würden, wäre ich zufrieden", sagt Rastislav Trtik. „Die Mannschaft muss noch viel lernen." Die Stammbesetzung besteht aus Keeper Jakub Lefan, Kreisläufer Tomas Bednarík, Linksaußen Marek Vanco, dem Halblinken Radek Kruzik, Spielmacher Vojtech Petrovsky, Linkshänder Radek Sliwka und Rechtsaußen Radim Chudoba. Mit Slavomir Mlotek und David Krahulec haben sich zuletzt auch zwei 19-Jährige, die der tschechischen Junioren-Auswahl angehören, in den Vordergrund gespielt. 

Im Zentrum von Karvina.