MT Melsungen

Der diesjährige September fühlt sich im Osten des hessischen Schwalm-Eder-Kreis ganz anders an als der letzte. Damit ist nicht das Wetter gemeint, sondern das sportliche Empfinden. Denn vor Jahresfrist erwischte der ortsansässige Bundesligist MT Melsungen einen kapitalen Fehlstart, schlidderte in eine Niederlagen-Serie, die erst im November stoppte. Damals waren die Hessen tief im Tabellenkeller versackt, steigerten sich dann aber und beendeten die Spielzeit noch als Dreizehnter, deutlich vor den Abstiegsrängen. Jetzt schlugen gleich zu Beginn drei Siege zu Buche. Die MT wähnt sich derzeit auf Safari, hat sie sich doch in unmittelbarer Nachbarschaft von Zebras, Füchsen und Löwen platziert. Ganz oben in der Bundesliga.

Einmal feierten die gut 100 mitgereisten MT-Fans sogar einen Auswärtserfolg. Bei Neuling Eintracht Hildesheim glückte ein ebenso knapper wie wichtiger 36:35-Zittersieg. „Einen Schönheitspreis wollten wir nicht unbedingt gewinnen, aber die die beiden Punkte", schmunzelte Trainer Michael Roth. Großen Anteil am Erfolg hatten Melsungens Griechen. Alexandros Vasilakis, Grigoris Sanikis und Savas Karipidis steuerten nicht weniger als 23 Treffer bei. Und zwei Akteure, die inzwischen zurückgekehrt sind, fehlten in Südniedersachsen noch: Der Halblinke und Kapitän Nenad Vuckovic (Schulterverletzung) und Felix Danner (Muskelfaserriss in der Leistengegend).

Im Frühjahr hatten die Melsunger ihren Kader von 19 auf 16 Spieler verschlankt und Zurückhaltung auf dem Transfermarkt geübt. Neben dem jungen Torwart Marc Lauterbach und dem Rechtsaußen Christian Hildebrand, der sich zuletzt in der Drittklassigkeit aufhielt, schlossen sich nur zwei gestandenen Erstliga-Handballer den Hessen an. Diese beiden Neuzugänge sorgten gleich in den ersten Wochen für viel Freude. Der schwedische Keeper Per Sandström glänzte beim 28:21-Auftaktsieg gegen Hüttenberg mit 25 Paraden. Sein Landsmann Patrik Fahlgren, in den letzten beiden Jahren bei der SG Flensburg-Handewitt, zog im Rückraum gekonnt die Strippen.

Veränderungen gab es in der Innenverteidigung. Dort übte Andrej Klimovets, im Norden bestens bekannt aus dem SG-Meister-Team von 2004, eine wichtige Funktion aus, erhielt allerdings keinen neuen Vertrag mehr. Die Nachfolge traten der schwedische Kreisläufer Anton Mannson und Felix Danner an. Beides Akteure aus dem letztjährigen Kader. Eine weitere namhafte Verpflichtung kam nicht in Frage. Der Etat stagnierte bei 3,5 Millionen Euro. Gerade beim Zuschauerzuspruch erhoffen sich die Verantwortlichen bessere Zahlen. Zuletzt pilgerten in die Kasseler Rothenbach-Halle kaum mehr als 2000 Fans. „Wir wollen mittelfristig die 3000er Marke angehen", ließ MT-Aufsichtsratsvorsitzende Barbara Braun-Lüdicke durchblicken.

Man kann die Melsunger inzwischen durchaus zu den Etablierten der Bundesliga zählen. Seit 2005 spielen sie erstklassig, gerieten nie ernsthaft in Abstiegsgefahr. Dieses Konstanz wurde dem MT-Anhang besonders während der Vorbereitung bewusst. In der Melsunger Stadtsporthalle, der langjährigen Spielstätte, kam es zum großen Revival von Spielern, Trainern und Offiziellen aus 20 Jahren Handball-Historie. Mehr als 30 Ehemalige von Harald Birk bis Laisvidas Jankevicius, von Klaus Leister bis Petr Hruby erschienen. Das „Spiel der Helden” bot reichlich Tore. Allerdings nicht ganz so viele wie die MT Melsungen in ihrer Bundesliga-Zugehörigkeit erzielt hat. Am letzten Wochenende fiel der 6000. Treffer.

Daten MT Melsungen