Niederlage trübt gute Saison nicht

Es ist geschafft, die Saison in der Handball-Bundesliga ist vorbei. Endlich - zumindest aus der Sicht der SG Flensburg-Handewitt. Den vom Verletzungspech gebeutelten Spielern von Trainer Ljubomir Vranjes war im Saisonfinale bei der HSG Ahlen-Hamm deutlich anzumerken, wie sehr sie die Sommerpause herbeisehnten. Die Flensburger waren nach den Strapazen der vergangenen Monate geistig und körperlich am Ende und mussten beim Absteiger verdient mit 34:40 (18:18) geschlagen geben.
"Das war keine gute Leistung*, befand Vranjes anschließend. "Aber es ging einfach nicht mehr", meinte der Schwede angesichts der langen Verletztenliste.
Zwar hatten die angeschlagenen Thomas Mogensen, Jacob Heinl und Lasse Boesen noch einmal die Zähne zusammen gebissen und auch Tobias Karlsson trotz großer Rückenschmerzen bis zum Schluss durchgehalten. Aber mehr schlecht als recht. So war die Abschlussniederlage nicht zu verhindern. "Nach dem Sieg über Göppingen konnte sich die Mannschaft einfach nicht mehr zu einer Topleistung aufraffen", nahm Geschäftsführer Holger Kaiser die Mannschaft in Schutz. "Auch ein Picasso hat ´mal Pause gemacht, wenn er ein geiles Bild gemalt hatte."
Bis zur 37. Minute hatten die Flensburger noch auf ein Erfolgserlebnis hoffen dürfen, zu diesem Zeitpunkt sogar durch einen Gegenstoß von Anders Eggert mit 22:21 vorn gelegen. Doch bei der zuvor erfolgreichen Abwehraktion war Jacob Heinl mit Schmerz verzerrtem Gesicht liegen geblieben und musste anschließend einige Minuten auf der Bank Platz nehmen. Wenig später wurde Tobias Karlsson am gegnerischen Wurfkreis in die Mangel genommen und blieb ebenfalls liegen, bis ihm zwei Ahlener wieder auf die Füße halfen. "Das konnte alles gar nicht mehr wahr sein", meinte Thomas Mogensen, der sich nach dem Spiel im Schatten der Maxipark-Arena einen großen Bluterguss am rechten Oberschenkel mit einem Eis-Pack kühlte. "Wenn wir Abwehr gegen Angriff wechselten, gingen zwei Humpelnde raus, und zwei Humpelnde kamen rein."
So kam es, wie es kommen musste. Ahlen-Hamm setzte sich über 27:25 auf 33:28 (52.) ab und feierte am Ende einen nie für möglich gehaltenen Erfolg. Damit beendeten die Flensburger erstmals seit 1994 eine Bundesliga-Punktrunde nicht unter den ersten Fünf. Doch Trainer, Geschäftsführer und Spieler wollten eine insgesamt gute Saison nicht durch diese Niederlage  verwässert sehen. "Was die Spieler in den vergangenen Monaten geleistet haben, war einfach unglaublich", wiederholte Ljubomir Vranjes zum x-ten Mal. Trotz des Trainerwechsels im November und der vielen langwierigen Ausfälle nach der WM-Pause hatte die SG das Viertelfinale der Champions League erreicht, war ins Pokalfinale eingezogen und wird in der nächsten Serie erneut international spielen. "Unterm Strich war es eine sensationelle Saison", stellte Holger Kaiser klar.
Insbesondere für Anders Eggert: Mit seinen acht Toren im Saisonfinale fing der Linksaußen den Magdeburger Robert Weber im Duell um die Torjägerkrone und wurde mit insgesamt 247 Treffern Bundesliga-Torschützenkönig vor dem Rechtsaußen aus Österreich (242). Die Freude beim 29-jährigen Dänen darüber hielt sich jedoch in Grenzen. "Dieser Titel ist schon etwas Besonderes. Aber so wichtig ist er mir gar nicht", gestand Eggert.
Jetzt dürfen sich die Spieler bis zum 18. Juli erholen. Dann beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison, die im September mit einem Auswärtsspiel beim THW Kiel beginnt. Auch Ljubomir Vranjes will "zwei Wochen abschalten": "Und dann freue ich mich darauf, dass alle Spieler gesund zurückkommen", meinte der Schwede im Hinblick auf die Saison 2011/2012, für die er sich mit der SG einiges vorgenommen hat.