Sjöstrands Gala-Debüt

Sowas hat die Campushalle noch nicht gesehen. Was war denn das bitte für ein Einstand, Herr Sjöstrand? Der schwedische Torhüter und Neuzugang feierte eine sensationelle Premiere im Trikot der SG Flensburg-Handewitt. Mit rund 30 Paraden war der 22−jährige Johan der Mann des Abends und ragte beim 32:22 (14:11)-Sieg der Flensburger gegen Frisch Auf Göppingen über alle Maße heraus.
Entsprechend prasselten nach dem Spiel die Glückwünsche auf den neuen Torhüter ein, der erst Mittags zu hören bekommen hatte, dass die etatmäßige Nummer 1, Dan Beutler, nach Schweden gereist war, um bei der Geburt seiner Tochter dabei zu sein. Somit stieg die Nervosität bei Sjöstrand bis zum Anpfiff. "Aber wenn das Spiel erstmal losgeht, legt es sich ein wenig. Wichtig ist, dass du in den ersten Minuten ein paar gute Aktionen hast", sagte Sjöstrand nach dem Spiel.
Danach sah es allerdings erstmal nicht aus, denn vor allem die Würfe von Göppingens Halblinken Lars Kaufmann schlugen immer wieder im SG-Gehäuse ein. Viele der rund 5300 Zuschauer dürften sich an die schwachen Leistungen von den bisherigen 2. Torhütern Dane Sijan und Jendrik Meyer erinnert fühlen. Doch es sollte ganz anders kommen, denn schon nach knapp 20 gespielten Minuten machte das schwedische Torwart-Talent ernst. "Wir standen dann besser in der Deckung und haben so auch Johan besser ins Spiel gebracht", wusste Routinier Lars Christiansen, dem dann aber die Worte fehlten für das, was dann die restlichen 40 Minuten passierte. "So einen Einstand habe ich in meiner langen Karriere noch nicht erlebt. Das war unglaublich", so der Dienstälteste in Reihen der Flensburger.

Auch Lars Kaufmann verzweifelte an Johan Sjöstrand.

Zwar war die Partie bis zum 16:16 (37.) ausgeglichen und Göppingen noch im realistischen Bereich eines Punktgewinnes. Doch spätestens nach dem 22:20 (45.) wurde die Partie einseitig. Denn von da an verzweifelten die Gäste immer wieder an der gut gestaffelten Flensburger Deckung und an − Johan Sjöstrand. "Es lief ganz o.K.", so der Schwede bescheiden, "aber wir standen immer besser in der Abwehr. Da ist es dann auch einfache im Tor."
Ganz so simpel war es dann doch nicht, denn immer wieder musste der SG−Torhüter im 1:1-Spiel sein ganzen Können aufbieten. Was er dann auch tat. Höhepunkt der Gala-Vorstellung des jungen Schweden war der Wurf von Kaufmann,, den er locker fing. Auf der einen Seite ein Symbol der überragenden Leistung des Keepers, auf der anderen Seite ein Indiz für die am Ende mutlosen Angriffsbemühungen der Göppinger. Dass Sjöstrand nicht nur stark hielt, zeigte er bei Gegenstößen, die er mit Millimeter genauen Pässen auf Christiansen und Lasse Svan Hansen einleitete. Am Ende stand sogar sein Trainer Per Carlén an der Seitenlinie und schüttelte lachend den Kopf. "Sowas habe ich noch nicht erlebt", gab Carlén zu.
Sjöstrand selbst blieb bescheiden, auch weil ihm noch nicht ganz aufgegangen sei, "was da eben in der Halle abgegangen war". Jetzt werde ich mir erstmal ein Bier genehmigen und das Spiel sacken lassen", so der Protagonist des Abends. Auf die Frage, was sie denn über die Leistung ihres Torhüters sagen können, brachte SG-Spielmacher Thomas Mogensen es auf den Punkt: "Es stehen immer sieben Spieler auf dem Feld, die gemeinsam für den Erfolg kämpfen. Deshalb sollte man nie einen herausnehmen. Aber egal, was wir über Johan sagen, wird es nicht reichen, um diese sensationelle Leistung zu beschreiben."