Die Geschichte des Handballs in der Region Flensburg

„Geht doch!", leuchtete auf der großen Videowall vor der Flensburger Campushalle, prangte auf den unzähligen verteilten T-Shirts. Ein Satz sagte alles über die Erleichterung, die von der SG Flensburg-Handewitt abfiel. Mit dem 41:32 gegen die HSG Nordhorn wischte sie in souveräner Manier die letzten theoretischen Zweifel an der ersten Deutschen Meisterschaft weg. 6000 jubelten am 16. Mai in der Halle, ebenso viele vor dem „Handball-Tempel", wo der „historische Akt" auf einem großen Bildschirm übertragen wurde. 2004 - das war das Jahr der Nordlichter. Neben der Bundesliga-Spitze wanderte auch der DHB-Pokal an die dänische Grenze. Im der Champions League reichte es zu einem mehr als beachtlichen zweiten Rang.

Die SG Flensburg-Handewitt feierte am 16. Mai 2004 ihre erste Deutsche Meisterschaft.

Flensburg - eine Handball-Hochburg? Ja. Aber nicht nur heute, sondern seit 80 Jahren. Schon 1924 zog die Flensburger Turnerschaft, praktisch ein Urahn der heutigen SG, in ein Halbfinale auf nationaler Ebene ein. Damals allerdings noch im Feldhandball. Für eine weitere Befruchtung der lokalen Handball-Szene sorgte 1935 eine Fusion. Die Turnerschaft und der Männer-Turnverein vereinigten sich zum Flensburger Turnerbund. Kurz FTB - drei Buchstaben, die für eine Menge Handball-Nostalgie stehen. Die Saat ging nach Kriegsende auf. 1946 und 1947 schlitterten die Flensburger nur knapp an der Meisterschaft in der britischen Besatzungszone vorbei. Bis zu 5000 Zuschauer verfolgten die Heimspiele des FTB, der mit Siegfried Perrey und Bernd Kuchenbecker auch zwei überregional bekannte Handballer aufstellte.
So allmählich trat der Hallenhandball neben die Feld-Version. Im Februar 1949 eine erste inoffizielle Meisterschaft. An einem interzonalen Turnier in der Münsterlandhalle nahmen acht Mannschaften aus Berlin, Nord-, West- und Süddeutschland teil. Darunter auch der FTB, der erst im Endspiel am RSV Mülheim mit 6:9 scheiterte. Sportliche Erfolge feierten die Flensburger vorerst aber weiterhin auf dem Rasen, auch wenn zwischenzeitlich ein Streit um ein „zartes" Profitum zur Abwanderung der Oberliga-Spieler führte. Trotz der Konkurrenz einiger Lokalrivalen wie Flensburg 08 und VfL Flensburg hielt sich der FTB nicht nur in der höchsten Spielklasse, sondern verteidigte auch seine Vormachtstellung an der Förde.

 

Flensburger Handballer sammelten bereits in den 20er Jahren erste Erfolge.
In Hamburg schaffte der FTB 1971 den Aufstieg in die zweigleisige Bundesliga.

Als die „Abtrünnigen" 1955 zurückkehrten, sorgte das Flensburger „Aushängeschild" wieder für glorreiche Schlagzeilen. 1957 Landesmeister; 1958, 1959 und 1962 sogar Norddeutscher Meister. In den Endrunden um nationale Lorbeeren erwiesen sich dann aber Leutershausen, Waldhof Mannheim und FA Göppingen als zu stark. Mit Volker Schneller, Trutz Kob und Sönke Voß wirkten schon drei Akteure mit, die später noch einmal Bundesliga-Luft wittern sollten. Vorerst erwies es sich aber als Fehler, dass die „Trumpfkarte" hauptsächlich „open air" hieß. Als 1965 die zweigeteilte Hallenhandball-Bundesliga entstand, fehlte Flensburg.
Der FTB fand sich gemeinsam mit den Lokalrivalen Stern, Flensburg 08 und dem TSV Vorwärts in der „Zweiten Liga", der Oberliga, wieder. Das sollte sich ändern; das erklärte Ziel lautete: Aufstieg in die Bundesliga. 1968 qualifizierten sich die Mannen von Trainer Ernst Krüger, ein Sport-Dozent, erstmals für die Aufstiegsrunde, rückten nach dem Scheitern aber zumindest in die neu geschaffene Regionalliga auf. Ein Jahr später gesellte sich Flensburg 08 dazu und griff mit Trainer Wilfried Tetens, 1976 Olympia-Schiedsrichter, sowie dem späteren Nettelstedter Bundesliga-Akteur Peter Pickel an. Nach zahlreichen Regionalliga-Doppelveranstaltungen in der 1300 Zuschauer fassenden Idraetshalle hieß der Sieger FTB.
20. März 1971: 1:1 stand es zwischen den Flensburgern und Münster 08. Ein Entscheidungsspiel in der Alsterdorfer Sporthalle zu Hamburg musste klären, wer in die Bundesliga Nord aufsteigen durfte. Sage und schreibe 1300 Nordlichter pilgerten an die Elbe. Die Spieler waren von der Unterstützung überwältigt, Mannschaftsführer Sönke Voß begeistert: „Flensburger, ihr seid `ne Wucht!" Dem FTB glückte ein 14:13. Flensburg lag im Freudentaumel. Die aus dem Aufstieg resultierende Euphorie verflog jedoch schnell. Ein Sieg gegen Bad Schwartau und ein Unentschieden gegen den Hamburger SV blieben die einzigen Erfolgserlebnisse. Abstieg! Als TSB Flensburg - der FTB fusionierte mit dem TSV Vorwärts - plante man einen erneuten Vorstoß in die Elite-Liga.

Die Wikinghalle wurde 1975 gebaut.

Vorerst regte sich aber das Handball-Leben am Stadtrand und in der Umgebung. Der ETSV Weiche stieg 1969 in die Oberliga auf und erkämpfte sich immer mehr den Status der „zweiten Geige". Die „Eisenbahner" hatten nur ein Problem. Sie hatten keine geeignete Spielstätte. In dieser Situation erwies sich der Handewitter SV aus dem westlichen Umland der Stadt Flensburg als geeigneter Partner. 1975 entstand dort die heutige Wikinghalle. Am 17. Juni 1974 bildeten die Vorstände um Manfred Werner, Peter Holpert (beide Weiche), Günter Ahlers und Horst Andresen (beide Handewitt) aus den beiden Handball-Abteilungen bundesweit eine der ersten Spielgemeinschaften überhaupt: die SG Weiche-Handewitt. Bereits im Februar 1976 glückte der Sprung zum TSB Flensburg in die Regionalliga.
Ein Streit 30 Kilometer südlich, beim damaligen Regionalligisten Schleswig 06, sorgte für weiteren, frischen Wind beim jungen Klub. Henning Lorenzen übernahm das Traineramt und ab 1978 auch die Funktion des SG-Leiters. In seinem Schlepptau verstärkten zahlreiche Akteure die Handballer vom Flensburger Stadtrand. Darunter der Torwart Peter Rickertsen, der es später als Trainer stets verstand, aus vermeintlichen, krassen Außenseitern konkurrenzfähige Teams zu formen. Oder Jan Glöe, ein zwar schlaksiger, aber wurfstarker Rückraum-Schütze. Oder Holger Thiesen, ein trickreicher Linkshänder, der auch auf der Spielmacher-Position glänzte. Erste Säulen einer zukünftigen Bundesliga-Mannschaft existierten. Schon in der Serie 1976/77 der erste Achtungserfolg. Mit einer neuformierten Mannschaft gelang auf Anhieb ein dritter Platz in der Regionalliga - vor dem TSB. 1978 kämpfte sich die SG sogar bis ins Halbfinale des DHB-Pokal vor. Erst beim ruhmreichen VfL Gummersbach gab es eine unverdiente 13:16-Niederlage. „Das war das schwerste Heimspiel der Saison", gestand Handball-Legende Joachim Deckarm.

Die ´79er Aufsteiger-Truppe des TSB Flensburg.

Die Flensburger Konkurrenz vom TSB schlug aber noch einmal zurück. Nach der Norddeutschen Meisterschaft endete die Relegation gegen die Reinickendorfer Füchse am 9. Juni 1979 mit dem Aufstieg in die Bundesliga. Diesmal sollte der Ausflug ins Handball-Oberhaus nicht in einem einjährigen Intermezzo münden. Der Etat stieg auf damals stolze 290.000 Mark, auch weil sich der Erotik-Konzern „Beate Uhse" als Trikotsponsor mobilisieren ließ. Die Mannschaft mit eigenen Kräften wie Wilfried Desler, Boy Boysen oder Hans Joachim Krüger wurde mit dem Finnen Ari Halme oder Dirk Sommerfeld verstärkt. Doch Trutz Kob und Dieter Naujeck, die ein Trainergespann bildeten, mussten bald erkennen, das all diese Bemühungen nicht ausreichten. „Beates Buben" kassierten eine Schlappe nach der anderen. Am Ende mussten die Flensburger mit nur zehn Punkten wieder absteigen.

Nach dem Bundesliga-Aufstieg der SG Weiche-Handewitt bewegte sich ein Autokorso am Stadtrand von Flensburg nach Handewitt.

Danach war es die SG Weiche-Handewitt, die das Handball-Geschehen an der dänischen Grenze dominierte. 1981 errang die neue Macht überraschend die Regionalliga-Meisterschaft. Gegen die finanzstarken Reinickendorfer Füchse ging es um den Aufstieg. Die Berliner Presse spottete über „Kanonenfutter" und „Feierabend-Handballer". SG-Regisseur Holger Thiesen konterte: „Durch den Handewitter Forst ist noch kein Fuchs lebend gekommen." Den Berlinern gelang es hauchdünn. Nach Hin- und Rückspiel hatten sie ein Tor mehr auf dem Konto.
Die SG Weiche-Handewitt steckte aber nicht auf. Nach drei Jahren in der neu gegründeten Zweiten Bundesliga leitete ein 33:19 im letzten Derby gegen den TSB den Marsch nach oben ein. Relegation! Nachdem die erste Partie mit einem mageren 19:17 geendet hatte, schlug am 19. Mai 1984 in Griesheim die „große Stunde" der SG: Mit einem 30:26 rückte sich der „Dorfverein" in das Rampenlicht des bundesdeutschen Handballs.
Die Bundesliga belächelte den Neuling zunächst als exotisches Beiwerk. Dieser revanchierte sich. Der Mythos „Hölle Nord" erwachte. In Handewitt und Umgebung herrschte riesige Begeisterung. Etwa 1500 Handball-Fans wohnten den Heimspielen ihrer SG bei. Sie erlebten eine sensationelle Saison. Bereits „totgesagt", rollte der „potentielle Absteiger" das Feld von hinten auf, um am letzten Spieltag durch ein 20:25 gegen Mitkonkurrent Lemgo den sicher geglaubten Klassenerhalt fast wieder aus der Hand zu geben. Doch Bergkamen spielte gegen die „Füchse" nur unentschieden. Die SG blieb in der Bundesliga - und das Fassungsvermögen des Sportzentrums wurde auf 2000 Zuschauer erweitert.

1988 startete die SG Weiche-Handewitt einen zweiten Anlauf in der Bundesliga.

Das „Team der Namenlosen" erhielt langsam Auffrischung durch auswärtige Spieler. Milomir Mijatovic war 1985 der erste Star. Ihm folgten Ende der 80er Jahre mit Rainer Cordes, Jörg-Uwe Lütt und Michael Menzel die ersten deutschen Nationalspieler. Einen Abstieg nach der dritten Saison reparierte die SG auf Anhieb. 1989 glückte mit dem sechsten Rang die beste Platzierung überhaupt. Ein Jahr später der große „Katzenjammer": Vier Trainer hatten es versucht, doch letztendlich stiegen die „Nordlichter" 1990 zum zweiten Mal ab.

Parallel zu dieser Entwicklung zeichnete sich immer mehr ab, dass die SG Weiche-Handewitt an „ihre ökonomischen Grenzen" gestoßen war. Der Geldbedarf wuchs stetig, aber die Flensburger Wirtschaft übte sich in Zurückhaltung. Aus einem simplen Grund: Der Stadtname fehlte in der Vereinsbezeichnung. Nach jahrelangen Anregungen hatte man im März 1990 endlich die Lösung parat. Die SG Flensburg-Handewitt wurde ins Leben gerufen, um „die Kräfte im Nordbezirk" zu bündeln. Der neue TSB-Vorsitzende Frerich Eilts und Manfred Werner, Manager des alten und neuen Konstrukts, waren die treibenden Kräfte der „Super-SG". Während sich der ETSV Weiche zurückzog, ging der Handewitter SV mit dem inzwischen in der Drittklassigkeit abgetauchten TSB Flensburg eine neue Ehe ein.

Im März 1990 besiegelten der TSB Flensburg und der Handewitter SV die richtungsweisende „Super-SG".
1992 - der letzte Bundesliga-Aufstieg.

Aller Anfang war aber schwer. Mehr als ein vierter Platz in der Zweitklassigkeit sprang nicht heraus. Vor allem im Spätherbst kriselte es bei der neuen SG. So sehr, dass sogar Manager Manfred Werner das Handtuch warf. „Es ist eine bittere Stunde, die eine Neuorientierung in unserer Vereinspolitik und Vereinsstruktur nötig macht", sagte er, um bald zurückzukehren. Denn schon im Frühjahr 1991 herrschte wieder Aufbruch-Stimmung. Der Trainer „Noka" Serdarusic forderte Verstärkungen, mit Walter Schubert, Horst Wiemann und Thomas Buchloh heuerten gleich drei erfahrene Bundesliga-Akteure im Norden an. Das Resultat war fantastisch: 52:0 Punkte und die Qualifikation zur Aufstiegsrunde. Dort entwickelte sich ein dramatischer Dreikampf mit Bad Schwartau und Dutenhofen. Jedes Tor zählte. Ein 31:23 in Stuttgart besiegelte schließlich am 22. April 1992 den Bundesliga-Aufstieg. Damit noch nicht genug, rückte die SG in das Finale des DHB-Pokals vor und scheiterte erst am Titelverteidiger TUSEM Essen - nach Siebenmeterwerfen.

Jan Holpert schloss sich 1993 der SG an.

Trotz großer Vorschusslorbeeren brachte die kommende Serie eine Enttäuschung: Die SG kämpfte von Anfang an gegen den Abstieg. Selbst ein Trainerwechsel - der Däne Anders Dahl-Nielsen kam - verpuffte. Der Klassenerhalt misslang trotz eines positiven Torverhältnisses. Eigentlich; denn im Sommer 1993 überschlugen sich die Ereignisse. Der Konkurs des TSV Milbertshofen rettete das „Nordlicht". Und als Bonus zog es Nationaltorhüter Jan Holpert von München zurück in seine Heimat. Diese Verpflichtung markierte einen Wendepunkt in der Vereinsgeschichte. Seit der Saison 1993/94 hatte die SG Flensburg-Handewitt ein „Abo" auf einen Platz unter den ersten Vier.
Das Umfeld erhielt immer mehr Professionalität. Neue ökonomische Größen engagierten sich für den Handball in der Fördestadt, der Etat wuchs, und die Flensburger Fördehalle (3500 Zuschauer) löste die Wikinghalle (2000 Plätze) ab. 1995 legte man den Grundstock für die „Bundesliga GmbH & Co. KG", um die Stammvereine aus der Haftung zu entlassen. Manfred Werner und Dierk Schmäschke wurden als Geschäftsführer benannt. Die Mannschaft reifte mit Akteuren wie Holger Schneider, Jan Eiberg Jörgensen, Matthias Hahn, Jan Fegter, Lars Christiansen, Christian Hjermind oder Roger Kjendalen. Seit 1995 ist die SG aus den internationalen Wettbewerben nicht mehr wegzudenken. 1996 folgte die erste Vize-Meisterschaft, 1997 die zweite.

1997: Lars Christiansen gewann nach seiner ersten Saison den EHF-Cup.

„Wenn man einen Titel holt, schreibt man Geschichte", setzte sich Trainer Anders Dahl-Nielsen am 19. April 1997 schließlich selbst ein Denkmal. Der EHF-Pokal wanderte an die Flensburger Förde, der dänische Kontrahent Virum Sorgenfri war beim 30:17 nicht mehr als ein Sparrings-Partner. Für weitere Impulse sorgte Erik Veje Rasmussen, der ab Sommer 1998 sein Glück auf der Trainerbank versuchte. In der Bundesliga fehlte ihm aber das Fortune. 1999 zerstörte der THW Kiel die Titelträume, 2001 verlor die SG das „Endspiel" in Magdeburg. Und 2000? Die wohl „tragischste" Bilanz: In der Meisterschaft fehlten 16 Tore, im EHF-Cup gewann Metkovic Jambo nur aufgrund eines auswärts mehr erzielten Treffers, und im Pokal hatte der THW Kiel in der Verlängerung den längeren Atem.  Dreimal Zweiter in wenigen Wochen - der „Ewige Zweite" war in aller Munde.

Durchgreifende Erfolge feierte die SG zunächst „nur" international. 1999 der City-Cup und 2001 sogar der Cup der Pokalsieger. Nach zwei dramatischen Endspielen gegen Ademar Leon hatte Jan Holpert kurz vor Schluss den entscheidenden Siebenmeter pariert. Schöne Momente, aber an der dänischen Grenze träumte man immer mehr vom Bundesliga-Thron. Andrej Klimovets, Christian Berge, Lars Krogh Jeppesen, Joachim Boldsen, Sören Stryger und Marcin Lijewski bereicherten allmählich das Leistungsniveau der SG, die neue, 6000 Zuschauer fassende Campushalle verbesserte die Einnahme-Situation, und eine Geschäftsstelle festigte die Strukturen.

2001 errang die SG den Europapokal der Cupsieger.
DHB-Pokalsieg 2003

Im Sommer 2002 sahen sich die Gesellschafter Frerich Eilts und Helmut Ermer zu einem weitgehenden Entschluss gezwungen. Sie setzten Thorsten Storm, bislang im Marketingbereich des THW Kiel tätig, als neuen Geschäftsführer ein. Manfred Werner zog sich im Gegenzug aus dem „Alltagsgeschehen" zurück. „Ich möchte in den nächsten drei Jahren die Nummer eins werden", verkündete Thorsten Storm. Gleich die erste Saison mauserte sich zu einem Erfolg. In der Bundesliga war die SG der erste Verfolger des „Jahrhundert-Meisters" Lemgo, ehe am 13. April 2003 der erste nationale Titel gefeiert wurde. In Hamburg markierte Lars Christiansen per Gegenstoß das 31:30 gegen Essen. Die SG Flensburg-Handewitt war DHB-Pokalsieger. Trotz des Jubels brodelte es hinter den Kulissen heftig. Der zweite Geschäftsführer Dierk Schmäschke stieg aus, der scheidende Trainer Erik Veje Rasmussen rechnete per „Brandrede" mit Thorsten Storm ab, und Kapitän Jan Fegter wurde nach acht Jahren ausgemustert.

Lars Krogh Jeppesen: "Spieler der Saison 2004"

Der "Neue", Thorsten Storm, stand heftig in der Kritik. In der Saison 2003/2004 zeigte sich aber, dass der eingeschlagene Weg goldrichtig war. Der schwedische Coach Kent-Harry Andersson formte die Truppe zu einem "Kollektiv", das selbst eine 19:30-Heimniederlage gegen Magdeburg kompensierte. Neuzugang Johnny Jensen ließ sich mühelos integrieren. Schon im November setzte die SG die Weichen auf Meisterschaft - mit einem Sieg in der Kieler Ostseehalle. Auch im Pokal und in der Champions League lief alles nach Plan. Der "Tanz auf drei Hochzeiten" endete nur auf internationalem Parkett mit einer kleinen Ernüchterung. Die Slowenen aus Celje hatten in den Endspielen die größeren Kraft-Reserven. Dafür glückte auf nationaler Ebene der doppelte Triumph. Das "Double" verbannte den "Ewigen Zweiten" endgültig in das Reich der Handball-Geschichte.

17. April 2005: Christian Berge mit dem "Pott"

Kent-Harry Andersson träumte indes von den nächsten Zielen. Die Verteidigigung der Meisterschaft und den erstmaligen Gewinn der Champions League. Doch die Hoffnungen in der Königsklasse zerstörte ein Freiwurf-Tor in letzter Sekunde. Nach einem 22:36-Debakel in Montpellier kratzte die SG am Wunder, um am Ende "nur" mit 32:19 zu gewinnen. In der Bundesliga schlug sich die SG famous, kurvte mit nur acht Minuspunkten durch die Saison, obwohl die Krebserkrankung von Christian Berge seit Oktober 2004 die Gemüter belastete. Zur Titelverteidigung reichte es nicht ganz, da der THW Kiel eine noch effizientere Serie erwischte. Dafür bezwang die SG im Final Four die "Zebras" mit 33:31. Der Pokal-Hattrick war perfekt! "Dieser Pott ist Christian Berge gewidmet", sagte SG-Kapitän Sören Stryger.

Die SG warf Kiel aus der Champions League.

In der Saison 2005/2006 musste die SG-Fan-Gemeinde nach langer Zeit mal wieder auf eine große Siegesfeier verzichten. Es war Pech im Spiel! Schon Ende September schied die SG im DHB-Pokal aus. Das Los hatte den Nordlichtern ausgerechnet die Ostseehalle beschert, wo man erst nach Verlängerung die Segel strich. Auch in der Bundesliga lief der THW Kiel zunehmend davon. Geballte Verletzungssorgen - mal am Kreis, dann unter den Linkshändern - machte Kent-Harry Andersson zu schaffen. Kurz vor Weihnachten riss nach 27 Monaten sogar eine unglaubliche Heimserie nach 39 Siegen - gegen Gummersbach. Immerhin: Die Qualifikation für die Champions League war als Vize-Meister nicht in Gefahr. Und in der Königsklasse vertrat die SG die Bundesliga-Farben sogar im Halbfinale. Der spätere Champion BM Ciudad Real war aber ein zu harter Brocken. SG-Manager Thorsten Storm blickte kämpferisch nach vorne: "Wir müssen unseren Kader weiter verbessern, weiter an uns arbeiten und finanziell nachlegen."

SG-Torwart Jan Holpert beendete im Juni 2007 seine Karriere.

Doch auch die Serie 2006/2007 begann mit Rückschlägen. Trainer Kent-Harry Andersson musste am Innenohr operiert werden und fiel bis Weihnachten aus. Als Interimscoach fand sich der Isländer Viggo Sigurdsson. Ein Glücksfall in dieser Situation. Unter seiner Ägide tanzte die SG bis zur WM-Pause auf allen drei Hochzeiten. Die Unterbrechung tat der SG allerdings nicht gut, die Verletzungssorgen summierten sich. Neuzugang Frank von Behren laborierte an einem Kreuzbandriss, Sören Stryger erwischte ein "Seuchenjahr", und Blazenko Lackovic kämpfte mit Knie-Problemen, um nur die Spitze vom Eisberg zu nennen. In der Bundesliga fiel die SG zurück, behauptete aber einen dritten Rang, der die erneute Qualifikation für die Champions League sicherte. Im Final Four war im Halbfinale Endstation. 33:34 gegen den THW Kiel, ein "Wembley-Tor" stoppte eine rasante Aufholjagd. Immerhin erreichte die SG zum zweiten Mal die Endspiele in der Königsklasse. Gegner: der THW. Ein Schleswig-Holstein-Duell auf höchster Ebene! Die Kieler behielten mit 28:28 und 27:29 knapp die Oberhand. Derweil rüstete sich die SG für die Zukunft. Nach dem Sportlichen Leiter Anders Dahl-Nielsen heuerte Fynn Holpert als Geschäftsführer bei der SG an. Pünktlich zum Karriere-Ende seines Bruders Jan. Fynn Holpert unterschrieb einen Fünf-Jahres-Vertrag. "Das ist ein klares Zeichen von der SG und von mir“, sagte der Neue.

Michael Knudsen gehörte zu den Leistungsträgern der Serie 2007/8.

Die SG stand bei den Buchmachern jedoch nicht hoch im Kurs. Torwart-Legende Jan Holpert hatte seine Karriere beendet, Angriffs-Motor Joachim Boldsen kehrte nach Dänemark zurück, und schwere Knieprobleme setzten den langjährigen Kapitän Sören Stryger außer Gefecht. Andere Akteure waren gefordert. Gerade in der Bundesliga redete die SG ein gehöriges Wörtchen mit, lag Ende April nur einen Zähler hinter dem späteren Meister THW Kiel. Der zweite Platz in der Meisterschaft war ein echtes Ausrufezeichen. Sportdirektor Anders Dahl-Nielsen war mit dem sportlichen Niveau absolut einverstanden: „Die Bundesliga ist die stärkste Liga der Welt, und wir haben nur 14 Minuspunkte." Um noch mehr zu erreichen, fehlte womöglich die nötige Ruhe, um sich allein auf die sportlichen Ziele zu konzentrieren. „Acht Spielerverträge liefen aus, dann kaufte uns der HSV Marcin Lijewski und Blazenko Lackovic weg“, klagte Fynn Holpert. „So wird man anfällig für Störfeuer von außen.“

Per Carlén übernahm im Dezember 2008 das Zepter.

Die Serie 2008/9 begann verheißungsvoll: Bis November waren es die Nordlichter, die als letzter Kontrahent Anschluss an den THW Kiel hielten. Dann folgten die Nackenschläge wie am Fließband. Häufig in Form von äußerst knappen Niederlagen. Am 20. Dezember 2008 sorgte die klarste Derby-Heimpleite aller Zeiten für Schockstarre in der „Hölle Nord“. 29:37 gegen den THW Kiel – noch in der Nacht war klar, dass der bisherige Co-Trainer Per Carlén die Nachfolge von Kent-Harry Andersson antreten würde. Ljubomir Vranjes wurde sein Assistent, erhielt aber bald den „Ruf“ zum Team-Manager. Sein Vorgänger Anders Dahl-Nielsen war zuvor in eine Berater-Funktion gewechselt. Ebenso sickerte durch, dass Geschäftsführer Fynn Holpert seine Zelte zum Saisonende abbrechen würde.
Im Frühjahr folgte die Erkenntnis: Neue Besen kehren gut. Bis auf Platz acht – die schlechteste Position seit 1993 – war die SG abgerutscht, als die Arbeit von Per Carlén und Ljubomir Vranjes zu fruchten begann. Es entfachte sich eine Flensburger Begeisterung, die in den fünften Platz mündete. Die Qualifikation für den EHF-Cup war damit sichergestellt. Als Entdeckung der Saison entpuppte sich der junge schwedische Linkshänder Oscar Carlén. Die beste Leistungen boten er und seine Gefährten am 3. April 2009, als sie mit einem 31:29-Erfolg in Hamburg gewannen, dennoch äußerst unglücklich im Viertelfinale der Champions League ausschieden. Per Carlén blickte danach mit Optimismus in die Zukunft: „Wir haben einen Umbruch hinter uns. Ich weiß, dass meine Mannschaft in der nächsten Saison stärker sein wird als jetzt. Andere Spitzenklubs haben den Umbruch noch vor sich.“

Deutsches Haus: Jubel nach Platz drei

Die Zeichen standen nach der Sommerpause aber gar nicht so gut. Der neue Geschäftsführer Holger Kaiser musste aufgrund eines finanziellen Engpasses mit seiner ersten Amtshandlung die Daumenschrauben anziehen: Er drückte bei den Spielern Gehaltskürzungen durch. Die Folge: Monatelang hielten sich Wechselgerüchte um einige Leistungsträger. Die SG drohte, im Mittelfeld zu versinken, als sich nach elf Spieltagen bereits acht Minuspunkte angesammelt hatten. Doch teamintern schweißte die kritische Situation zusammen. „Ich bin schon lange Trainer, aber eine in sich so geschlossene Truppe hatte ich noch nie", staunte Per Carlén. „Das wird unser Trumpfass.“ Das stach Ende November 2009 mit dem überraschenden 30:26-Sieg bei den höher eingeschätzten Rhein-Neckar Löwen das erste Mal. Ein Erfolg, der zusätzliche Kräfte freisetzte und eine Siegesserie auslöste. Die SG kletterte zu Weihnachten erstmals auf Rang drei.

Abschied: Lars Christiansen geht nach 14 Jahren.

Wichtigster Faustpfand: die Abwehr. Und das obwohl Johnny Jensen bereits im Sommer und Michael Knudsen nach der Europameisterschaft 2010 im Januar wegen Knie-Problemen passen mussten. Aus der Not heraus entwickelte sich um Jung-Nationalspieler Jacob Heinl und dem schwedischen Neuzugang Tobias Karlsson ein sehr effektives Defensiv-Bollwerk. Letztendlich sicherten sich die Nordlichter souverän den dritten Rang und kehrten damit in die Champions League zurück. Zugleich bereiteten sie damit Lars Christiansen einen würdigen Abschied. Der Linksaußen ging nach 14 Jahren, 626 Spielen und 3996 Toren nach Dänemark zurück. „Meine Träume wurden bei der SG erfüllt", erklärte der Handball-Star. „Wir waren immer unter den ersten Fünf der Bundesliga und gehörten damit stets zu den besten Mannschaften in der Welt. Warum hätte ich zu einem anderen Bundesligisten oder nach Spanien wechseln sollen?"

Ljubomir Vranjes

Das Jahr eins ohne die Handball-Legende begann mit einem Störfeuer. Die Hamburger Medien berichteten, dass Per und Oscar Carlén im Sommer 2011 zum HSV wechseln würden. Der Senior dementierte. Die Gerüchte hielten sich und bestätigten sich zunehmend. Als die SG – unter anderem aufgrund zweier unerwarteter Heimniederlagen gegen Magdeburg und Berlin – sportlich hinter den Erwartungen blieb, beurlaubte die Vereinsführung ihren Trainer Per Carlén im November. Die Nachfolge trat der bisherige Team-Manager Ljubomir Vranjes an. Der 37-Jährige startete mit einem spektakulären 32:31-Erfolg gegen die Rhein-Neckar Löwen. Der jüngste Coach der Bundesliga erntete aufgrund seines taktischen Wissens schnell viel Lob, doch ein Abrutschen auf den sechsten Rang der stärksten Liga der Welt konnte er nicht verhindern. Ein ungewöhnliches Verletzungspech vereitelte eine bessere Bilanz.

Anders Eggert: Bundesliga-Torschützenkönig

Dennoch stieß die SG bis ins Viertelfinale der Champions League vor, kassierte dort zwar mit dem 24:38 gegen Ciudad Real die höchste Heimpleite der Vereinsgeschichte, verabschiedete sich aber immerhin mit einem Auswärtssieg in Spanien aus dem Wettbewerb. Noch besser lief es im DHB-Pokal. Erstmals seit 2007 qualifizierte sich die SG für das Final Four und kämpfte im Halbfinale die favorisierten Rhein-Neckar Löwen mit 22:20 nieder. Im Endspiel war der THW Kiel allerdings eine Nummer zu groß. „Wir sind enttäuscht, dass wir es nicht geschafft haben", verriet Linksaußen und Bundesliga-Torschützenkönig Anders Eggert. „Wir können aber auch stolz sein, dass wir nach so langer Pause wieder in einem Finale gestanden haben.“

25. Mai 2012, 20.33 Uhr

Der 25. Mai 2012 Jahres nimmt ein schillerndes Kapitel in der Vereinschronik ein. Um punkt 20.33 Uhr nahm SG-Kapitän Tobias Karlsson den Europacup der Pokalsieger entgegen. Der Titel krönte eine Serie, in der der nördlichste Bundesligist zurück an die Spitze des nationalen und internationalen Handballsports kehrte. „Das geht ab, wir feiern die ganze Nacht", sangen die Spieler. Der Europapokal brachte den Glanz über diese Saison, die Leistungen in der Bundesliga lösten hingegen das Staunen der Experten aus. Als Sechster des Vorjahres ging die SG auf die Überholspur. Egal ob Rhein-Neckar Löwen, HSV Hamburg oder Füchse Berlin – sie alle erlebten in der „Hölle Nord" ihr „Fegefeuer". Mit ihrer Bilanz näherte sich die SG ihren besten Zeiten, als 2004 zehn Minuspunkte für den Gewinn der Meisterschaft reichten. Auch der Rückstand zum Branchenprimus THW Kiel schmolz: Zum Saisonauftakt gab es beim Landesrivalen eine derbe 21:35-Schlappe, das Pokalfinale hingegen brachte Spannung bis zur Schlussphase.

Mattias Andersson: ein starker Rückhalt

Ganz ohne Rückschläge war die Spielzeit allerdings nicht verlaufen. Auf dem Parkett musste die SG ab April auf ihren besten Torschützen Holger Glandorf verzichten. Bei einem DHB-Lehrgang hatte der Linkshänder eine Cortison-Spritze in die Ferse erhalten. Es gab Komplikationen: Eine Infektion verursachte drei Operationen. Als Vater des Erfolgs gilt Ljubomir Vranjes. Der kleine Schwede ist erst 38 Jahre alt und noch eines der frischen Gesichter in der Trainer-Zunft. Mit Akribie, Fleiß und taktischer Raffinesse hat der Coach am Team gefeilt, dass er vor der Serie zusammen mit Holger Kaiser um die Neuzugänge Holger Glandorf, Mattias Andersson und Lars Kaufmann glänzend ergänzt hatte. Zudem entpuppte sich Youngster Petar Djordjic als Aufsteiger der Saison. „Ich bin noch jung", sagte Ljubomir Vranjes. „Aber natürlich bin ich stolz auf diesen Erfolg. Vor allem aber auf meine Mannschaft, dass sie mir in diesem Jahr so gut zugehört hat."

Derby-Sieg: Tolle Stimmung in der Flens-Arena.

In der Saison 2012/13 durchbrach die SG einen Trend. Sie mischte international in der Königsklasse mit, musste auf nationaler Ebene aber nicht federn lassen. Im Gegenteil: Die Nordlichter wiederholten die Vize-Meisterschaft und den Vize-Pokalsieg. „Wir haben im zweiten Jahr eine große Kontinuität gezeigt", bilanzierte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. „Das ist ein Fortschritt in unserer Entwicklung." Gerade aus der ersten Saisonhälfte bleiben einige Husarenritte in bester Erinnerung. Obwohl ein mysteriöses Verletzungspech grassierte: Zeitweise fielen fünf erprobte Halblinke aus. Manchmal standen nur noch drei etablierte Rückraum-Kräfte zur Verfügung. Dennoch siegte die SG beim französischen Spitzenklub Montpellier und manövrierte sich souverän durch die Vorrunde der Champions League. Und zu Weihnachten wurde in einer Mini-Besetzung sogar der THW Kiel mit einem überraschend deutlichen 35:29-Erfolg auf die Heimreise geschickt.

Siebenmeter-Krimi: Hampus Wanne machte den Sack zu.

Während bei den „Zebras" einige langjährige Leistungsträger ausschieden, blieb der SG-Stamm praktisch unverändert. Diese Tatsache veranlasste zu großen Hoffnungen, ohne dass im Saison-Vorfeld konkret über Titel gesprochen wurde. „Wenn alles klappt und wir vom Verletzungspech verschont bleiben, ist alles drin", sagte Ljubomir Vranjes. „Aber das sieht für andere Mannschaften nicht anders aus." Am 20. August 2013 landete der Super Cup nach einem 29:26-Erfolg über den THW Kiel im hohen Norden. Ein Trophäe mit großem Renommier war das natürlich nicht. In der DKB Handball-Bundesliga etablierte sich die SG in der Spitzengruppe, für den Sprung ganz nach oben fehlte allerdings die Konstanz. Gerade die linke Rückraum-Position erwies sich als Achillesferse: Lars Kaufmann fehlte die ganze Saison, der gut eingeschlagene Neuzugang Drasko Nenadic verletzte sich im Februar. So waren Angriffsmotor Thomas Mogensen und der junge Jim Gottfridsson, übrigens die Entdeckung der Saison, gleich auf zwei Rückraum-Positionen gefordert. Das ging an die Substanz. 

Der Moment des Glücks.

Beim Final Four in Hamburg glückte zunächst ein Husarenstreich gegen die Rhein-Neckar Löwen. Das Endspiel gegen die Füchse Berlin schmerzte jedoch. In der Anfangsphase hatte die SG alle Trümpfe in der Hand, geriet dann aus dem Rhythmus und haderte am Ende mit ärgerlichen Schiedsrichter-Entscheidungen. Der DHB-Pokal verschwand an die Spree. Als niemand mehr an ein rauschendes Happyend dachte, nahm die VELUX EHF Champions League eine wundersame Entwicklung. Gegen Vardar Skopje rettete Anders Eggert mit einem verwandelten Siebenmeter in den Schlusssekunden die erste Teilnahme am VELUX EHF FINAL 4 in Köln. Dort holte die SG in den letzten acht Minuten sechs Tore gegen den favorisierten FC Barcelona auf, erreichte die Verlängerung und setzte sich schließlich im Siebenmeterwerfen durch. Am nächsten Tag, dem 1. Juni 2014, langte die Kraft auch noch, um gegen den THW Kiel nach einem erneuten Sechs-Tore-Rückstand das Blatt zu wenden, und einen 30:28-Erfolg einzufahren. Das „Wunder von Köln" war perfekt: Die SG wurde als beste Mannschaft in Europa bejubelt. Am nächsten Tag feierten die Champions die „Flensation" mit 5000 Fans auf dem Südermarkt. „Das war das schönste nur vorstellbare Abschiedsgeschenk von dieser tollen Mannschaft", strahlte Michael Knudsen, der nach neun Jahren im SG-Trikot nach Dänemark zurückkehrte.

Die SG feierte den DHB-Pokal in der FLENS-ARENA.

Die kommende Spielzeit wurde durch ein enormes Verletzungspech, das in Teilen der Rückrunde fast groteske Züge annahm, beeinflusst. Fast stündlich erreichten den SG Clan neue Hiobsbotschaften. Co-Trainer Maik Machulla musste mangels Masse noch einmal als Regisseur einspringen. Angesichts dieser Misere verwunderte es nicht, dass sich die sportlichen Rückschläge häuften. Der Abstand zu den Spitzenklubs wuchs kontinuierlich, der dritte Platz in der DKB Handball-Bundesliga wurde unter diesen Vorzeichen als Erfolg gewertet. Die ungewöhnliche Kader-Situation forderte immer wieder die fast unerschöpflich erscheinende Kreativität von Ljubomir Vranjes. Beim REWE Final Four in Hamburg suchte die SG ihr Heil in einer extrem offensiven Abwehr, die zeitweise bis kurz vor die Mittellinie ausrückte. Die Gegner zeigten sich überrascht. Im Halbfinale besorgte Jim Gottfridsson in letzter Sekunde den Siegtreffer gegen die Rhein-Neckar Löwen. Das Endspiel gegen Magdeburg war an Dramatik nicht zu überbieten. Verlängerung – und dann Siebenmeter-Werfen. Als letztes trat Hampus Wanne an und warf die SG ins Glück. Flensburg und Umgebung feierten den DHB-Pokal 2015.

Lasse Svan: Bester Feldtorschütze

Aus dem Verletzungspech zog die SG für die Serie 2015/16 ihre Lehren: Der Kader wurde aufgestockt. Mit Rasmus Lauge, Kentin Mahé, Henrik Toft Hansen und Rückkehrer Petar Djordjic schlug sie vier Mal auf dem Transfermarkt zu. Da sich Anders Zachariassen im Herbst das Kreuzband riss, wurde Kresimir Kozina nachverpflichtet. Als im Frühjahr die Titel verteilt wurden, fehlte den Nordlichtern das nötige Glück. In der DKB Handball-Bundesliga fehlte nur ein Punkt zur Meisterschaft, im Finale um den DHB-Pokal war der „Akku“ nach harten Wochen leer, und in der VELUX EHF Champions League klagte die SG im Viertelfinale über einen verweigerten Siebenmeter, der sie und nicht den späteren Sieger Kielce nach Köln gebracht hätte. Dennoch war Ljubomir Vranjes nicht unzufrieden. „Seitdem ich Trainer bin, war die Mannschaft spielerisch noch nie so stark wie jetzt“, erklärte der 42-Jährige.

Jan Kirschner