Auszeit auf dem Roten Sofa: Torge Johannsen
Du bist der erste Spieler, der zum zweiten Mal auf dem Sofa Platz nehmen „darf“.
Torge Johannsen: Ja? Das ehrt mich natürlich! (lacht)
Bei dir hat sich aber in den letzten Jahren auch sehr viel verändert!
Torge Johannsen: Findest du?
Als du 2006 in Flensburg angekommen bist, hattest du erst eine Tochter, hast noch in „wilder Ehe“ und zur Miete gewohnt...
Torge Johannsen: Stimmt. Jetzt bin ich verheiratet, habe ein Haus und zwei Töchter.
Ganz schön sortiert!
Torge Johannsen: Das macht man nicht bewusst. Dinge sortieren sich im Laufe des Lebens von allein. Erst im Nachhinein stellt sich heraus, ob die Entscheidungen, die man getroffen hat alle richtig waren. Aber eigentlich kann ich mich nicht beschweren - es fühlt sich zur Zeit alles ziemlich richtig an!
Seit Anfang der Saison bist du der Kapitän der Mannschaft. Magst du deine neue Rolle?
Torge Johannsen: Im Laufe der Jahre lernt man die Mannschaft, den Verein und die Strukturen im Umfeld kennen. Durch das „Amt“ des Kapitäns bekommt man die zusätzlich Verantwortung, die Dinge auch für die Mannschaft zu sehen und für die Mannschaft auszusprechen. In meinem Amt beerbe ich aber streng genommen Ljubo, der im Moment als Team-Manager bei der SG aktiv ist. Er macht sehr viel für die Spieler - wahrscheinlich auch in den Bereichen, die bei einem anderen Erstligisten eher die Aufgabe eines Kapitäns wären.
Stört dich das?
Torge Johannsen: Nein! Ich finde das sehr gut! Es ist sowieso erstaunlich, wie gut Ljubo in seine neue Rolle passt. Ich stelle mir so einen Übergang, als Spieler plötzlich auf die Funktionärsebene zu wechseln, nicht so einfach vor. Es ist ein Drahtseilakt, den Ljubo sehr gut meistert.

Foto: Christoph Schellhaus
Warum findest du das so schwer?
Torge Johannsen: Wenn man jahrelang ein Teil des Teams war und dann auf einmal den gleichen Spielern, mit denen man gespielt, gefeiert, geweint, sich gefreut hat, etwas vorschreiben soll... Glaub mir, es ist nicht so einfach! Die Mannschaft muss auch annehmen, was ein Sportchef sagt.
Und? Tut ihr das?
Torge Johannsen: Absolut.
Wie funktioniert die neue Sprachregelung?
Torge Johannsen: Ljubo hat eingeführt, dass wir uns in jeder Situation auf Deutsch unterhalten. Ich habe nicht so die Schwierigkeiten damit. (lacht) Mich hat aber auch früher nicht gestört, wenn meine Mannschaftskollegen sich auf ihrer Landessprache unterhielten. Die Regelung soll einfach nur helfen, dass neue Spieler schnell Deutsch lernen. Die Spieler brauchen die Sprache ja nicht nur auf dem Spielfeld. Sie müssen auch im normalen Leben klarkommen, dabei ist das Beherrschen der Landessprache hilfreich. (lacht)
Wenn Per von der Bank zu Tobias auf dem Spielfeld etwas auf Schwedisch sagt. Klingelt dann die Mannschaftskasse?
Torge Johannsen: Also so streng darf man sich das nicht vorstellen. Ein Spiel ist immer eine Ausnahmesituation. Innerhalb kürzester Zeit sollen wichtige taktische Informationen ausgetauscht werden, es geht ums gewinnen! Wenn wir aber Ljubos Ansatz folgen, dann werden die Beteiligten in einigen Jahren auch auf der Bank auf Deutsch miteinander sprechen. Und das nicht nur im Training.
Apropos Training: Wenn man die Mannschaft beobachtet, hat man das Gefühl, dass außerhalb des Spielfeldes ganz andere Hierarchien herrschen als auf der „Platte“. Ist das richtig?
Torge Johannsen: Wir verbringen sehr viel Zeit zusammen. Es sind nicht nur die Spiele, die das Miteinander in einer Gruppe entscheiden. In unterschiedlichsten Situationen werden viele persönliche Eigenschaften des Einzelnen eingebracht, die die Rolle von jemandem im Team beeinflussen. Wir sind schon eine sehr gute Truppe mit vielen verschiedenen Charakteren!
Und was wünschst du dieser Truppe für die Saison als Kapitän?
Torge Johannsen: Ich wünsche uns, dass wir unsere interne Ziele und das Bild, was wir uns geschaffen haben für die ganze Saison, konstant verfolgen und uns zum Beispiel durch schwere Perioden nicht ablenken lassen. Dann können wir nämlich am letzten Spieltag dieser Saison glücklich aus der Campushalle gehen.
Und was wünschst du dir privat?
Torge Johannsen: Kurzfristig möchte ich unser Haus fertig stellen. Es fehlen noch Kleinigkeiten. Langfristig wünsche ich meiner Familie und mir nur Gesundheit. Viele halten diesen Wunsch für banal. Ich aber nicht. Gesundheit sollte man nicht erst für wichtig halten, wenn man sie nicht mehr hat!







