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Folge 9: Michael Ewoldt (April 2014)

Block N, Reihe 3, Platz 2 – da sitzt jemand, der ein Buch darüber schreiben könnte, was er schon so alles mit der SG Flensburg-Handewitt erlebt hat. Michael Ewoldt ist zwar erst 39 Jahre alt, aber kann recht tief in die lokale Handball-Geschichte blicken und stößt dabei in eine Zeit vor, als es die SG in ihrer heutigen Form noch gar nicht gab. Jetzt ist er gerade nach Jarplund gezogen, doch in seiner Jugend wohnte er in Weiche. Ganz groß angesagt im Stadtteil damals: die SG Weiche-Handewitt. Ein Vater von Freunden fragte ihn plötzlich: „Willst du nicht einmal mit?" Und ehe er sich versah, saß Michael Ewoldt in einem der Wikinghallen-Geräteschuppen, in der damals die jungen Fans die Mannschaft einfeuerten.

Zunächst schaute er sporadisch bei den Heimspielen zu, aber bereits zur Serie 1987/88 hatte er seine Eltern überzeugt: „Ich brauche eine Dauerkarte!" Kostenpunkt damals: 60 D-Mark für 13 Partien. Bis auf eine Ausnahme hatte Michael Ewoldt seitdem ein Saison-Abo. Eine Fan-Leidenschaft war erwacht, die ab 1992 sogar eine organisatorische Basis hat. Kurz nach der Gründung trat er dem Fan-Club „Die Wikinger" bei und gehörte als Schriftführer oder zweiter Vorsitzender viele Jahre dem Präsidium an.

Der langjährige SG-Freund schöpft aus einem reichen Erinnerungsrepertoire. „Auf- und Nichtabstiegsfeiern in der Wikinghalle haben sich eingeprägt“, erzählt er, um sofort auf die Meisterschaft 2004 umzuschwenken. „Ich durfte sogar ich die Meisterschale anfassen. Und wie sich die Spieler freuten: Ein Lars Krogh Jeppesen rannte auf und ab wie ein Bekloppter.“ Um bei den großen Entscheidungen dabei zu sein, scheut Michael Ewoldt keine Strapazen. Beim Final Four 2005 weilte er am ersten Tag in Hamburg, dann musste er zu einer Konfirmation in Wilhelmshaven. Das Endspiel schaute er natürlich am Fernseher – und als der Abpfiff ertönte und die SG Pokalsieger war, stieg der „Wikinger" am Jadebusen ins Auto. „Ich war gleichzeitig mit der Mannschaft am Nordermarkt zur Siegesfeier", schmunzelt er noch heute.

Dünkirchen, Barcelona oder Kopenhagen – natürlich hat Michael Ewoldt schon viele Auswärtstouren mitgemacht. Aber es gibt noch nicht erfüllte Wünsche: „Ich würde gerne zum Final Four nach Köln. Und nach Celje. Da muss die Stimmung unglaublich sein.“ Er selbst räumt ein: „Früher war ich emotionaler.“ Vor einem knappen Jahr hat sich sein Stehplatz auf der Nordtribüne in einen Sitzplatz auf der Südtribüne gewandelt. Und daran wird sich mit der nächsten Dauerkarte nichts ändern.