Stripes
mogensen

Folge 21: Eike Bodenhagen

FLENS-ARENA – Handball ist Tempo, Athletik und Raffinesse. Aber auch die Emotionen spielen eine wichtige Rolle. Auf und neben dem Spielfeld. Ohne die Zuschauer wäre die „Hölle Nord“ nicht vorstellbar. In einer Serie des KONTER werden einige Fans vorgestellt. Wie entstand die Begeisterung zur SG Flensburg-Handewitt? Was waren die persönlichen Höhepunkte?

Es ist 20 Jahre her, da konnte Eike Bodenhagen so gar nichts mit Handball anfangen. Um ihrem Ehemann eine Freude zu machen, besuchte sie ab und an mit ihm die Spiele der SG in der Fördehalle. „Ich fand, man sollte jeden einen Ball geben, dann müssten sie sich nicht so um den einen hauen“, schmunzelt sie heute. Was sie damals nie erwartet hätte: So allmählich wuchs in ihr das Interesse an diesem Sport. Als die SG 1997 mit dem EHF-Cup den ersten Titel gewann, mischte sich die Flensburgerin unter das Party-Volk am Deutschen Haus. Auf dem Balkon stand die Mannschaft mit den Sektflaschen. Eike Bodenhagen hielt den Becher hin, und Trainer Anders Dahl-Nielsen setzte den Strahl zielsicher. Fast nichts vom Schampus ging daneben. Die Sympathien für die Handballer stiegen, und als die SG einen Tag vor Weihnachten 1998 den THW Kiel schlug, hatte sie einen Fan mehr. „Das war ein sehr schöner Sieg mit einem schönen Rahmenprogramm“, erinnert sich Eike Bodenhagen.

Kurz darauf hatte sie ihre erste Dauerkarte und übernahm freiwillig den Trommel-Job – bis sie eines Tages etwas später als sonst kam und alle geeigneten Plätze weg waren. Die Konsequenz: Die Trommel wurde gegen einen Sitzplatz eingetauscht. In der FLENS-ARENA findet man die treue Anhängerin heute in Block E (Reihe 8, Platz 8). Bei packenden Spielen ärgert sie sich manchmal, dass sie relativ klein ist. „Es ist ja schön, wenn die Zuschauer sich erheben“, erzählt sie. „Vor mir sitzen aber leider ein paar große Leute, und ich sehe dann fast nichts mehr vom Spiel.“

Auswärts kreuzt Eike Bodenhagen manchmal in Berlin oder Hamburg auf, früher war sie öfter auf den Straßen Europas unterwegs. Einige Anekdoten kann sie erzählen. Im spanischen Ciudad Real brach mal nur wenige Meter entfernt eine Schlägerei unter den Akteuren aus, und die Polizei erschien auch auf der Tribüne. Im kroatischen Metkovic fanden nach dem Abpfiff Verbrüderungsszenen statt, und die Flensburger genossen eine große Gastfreundschaft. Wenn sie an den Trip nach Celje (2004) denkt, lächelt Eike Bodenhagen noch heute etwas verlegen. Damals war sie Lehrerin an einer dänischen Schule und musste sich einen Tag freinehmen. Die Chefin wollte sie eigentlich vertreten, war dann aber auch verhindert. Zumindest war sie kulant: „Fahr mal nach Celje, lass dich aber nicht vom Fernsehen erwischen!“ Der SG Fan setzte sich eine Kappe auf und senkte stets den Kopf, wenn auch nur eine Kamera gen Tribüne schwenkte.

In den letzten Jahren trat Eike Bodenhagen in aller Regelmäßigkeit als „persönlicher Trikotsponsor“ auf. Olafur Gustafsson, Drasko Nenadic, Bogdan Radivojevic und Kevin Møller hießen die Auserwählten. „Das waren immer neue Spieler, die freuen sich besonders“, verrät die Anhängerin. Im letzten Sommer bemühte sie sich allerdings mit Erfolg um Lasse Svan. Seine Konstanz war so beeindruckt. Und dann gewann er sogar Gold in Rio.