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Folge 16: Jürgen Siebels (Mai 2016)

FLENS-ARENA – Handball ist Tempo, Athletik und Raffinesse. Aber auch die Emotionen spielen eine wichtige Rolle. Auf und neben dem Spielfeld. Ohne die Zuschauer wäre die „Hölle Nord“ nicht vorstellbar. In einer Serie des KONTER werden einige Fans vorgestellt. Wie entstand die Begeisterung zur SG Flensburg-Handewitt? Was waren die persönlichen Höhepunkte?

Es gibt nicht viele, die der SG länger die Daumen drücken als Jürgen Siebels. Er erinnert sich noch genau, wie er vor rund 30 Jahren erstmals mit dem Bundesliga-Handball auf Tuchfühlung ging. Er kellnerte damals im Deutschen Haus, als einmal die Mannschaft der SG Weiche-Handewitt dort einkehrte. Man kam ins Gespräch – und am Ende des Abends hatte Jürgen Siebels zwei Karten für ein Heimspiel. Mit seinem Bruder besuchte er die Handewitter Wikinghalle, quetschte sich in die Menge, die sich direkt neben dem Tor drängte und war sofort begeistert. Regelmäßig kam er wieder, zumeist mit seinen beiden Söhnen Sven und Finn, die sich auf Bierkisten stellten, damit sie das Spielfeld besser einsehen konnten.

Jürgen Siebels ist dem Stehen treu geblieben. „Dort herrscht die beste Stimmung“, sagt der 63-Jährige. „Ich kenne jeden zweiten auf der Nordtribüne.“ Die Fans um ihn herum nennen ihn „Vaddi“. Und erzählen kann er viel aus der SG Historie. Am schönsten sind natürlich die großen Triumphe. 1997 etwa der Erfolg im EHF-Cup über Virum Sorgenfri. „Danach haben wir mit der Mannschaft gefeiert, die auf dem Balkon des Deutschen Hauses stand“, schwärmt er. 2003 wagte sich Jürgen Siebels erstmals nach Kiel – und die SG gewann erstmals in der Landeshauptstadt. Ein Jahr später war er mittendrin, als vor der FLENS-ARENA die große Meister-Sause stieg. Und 2007 bot die Champions League große Dramatik: Im Halbfinale zitterte der langjährige SG Enthusiast am Fernseher mit und bejubelte Dan Beutler, als dieser den entscheidenden Siebenmeter in Valladolid entschärfte. Wenige Wochen später saß Jürgen Siebels in einem der zehn Busse, die sich gen Kiel auf den Weg machten. Dort verpasste die SG den Königsklassen-Triumph bekanntlich knapp.

Trotz aller Begeisterung: Es gab auch Jahre, in denen das Urgestein seltener in der „Hölle Nord“ zu sehen war. Das lag am Dienstplan des Krankenpflegers. Doch vor zwei Jahren begann die Altersteilzeit, die Dauerkarte war wieder Pflicht. Seine Kollegen schenkten ihm zum Abschied ein SG Trikot mit der Nummer 52. Jürgen Siebels ist Jahrgang 1952. Für diese Saison hatte er sich für das Dress mit der Nummer 25 entschieden. „Rasmus Lauge ist sympathisch und eine gute Verstärkung“, sagt er und litt mit, als er von der Verletzung des Dänen erfuhr.

Wie es sich für einen langjährigen Fan gehört, ist Jürgen Siebels Mitglied eines Fan-Clubs. Vor Jahren schloss er sich der „Alten Garde“ an, die eine Fan-Freundschaft mit den Anhängern von FA Göppinger pflegt. Nach dem letzten Heimspiel gab es eine gemeinsame Party in Flensburg – bis weit in die Nacht.