Sie war sicherlich das Glanzlicht des Abends. Die Silbermedaille von Alexander Petersson. Der Isländer hatte es tatsächlich geschafft, nach einer unglaublichen Reiseroute (Peking-Frankfurt-Reykjavik-Kopenhagen) sehr müde, aber pünktlich an der Flensburger Förde einzutrudeln. So war es die komplette Mannschaft der SG Flensburg-Handewitt, die sich zur Saison-Eröffnungspressekonferenz einfand – diesmal im sh:z-Druckzentrum in Büdelsdorf, dem Medienpartner der SG. „Das ist das Herzstück unseres Verlages – so wie die Campushalle das Herzstück für die SG ist“, begrüßte Jürgen Muhl, Chefredakteur der sh:z-Tochtergesellschaft „Sportpresse Nord“, die Gäste.
Für die SG eröffnete Präsident Frerich Eilts den Reigen der Statements. „Es fällt mir schwer“, sagte er, „die SG einzuordnen. Ich denke aber, dass eine Platzierung unter den ersten Drei wegen des Zusammengehörigkeitsgefühls und dem zielorientierten Arbeiten realistisch ist“ Eine Beurteilung, die Geschäftsführer Fynn Holpert teilte: „Wir werden eine Mannschaft formen, die mindestens den dritten Platz und damit die Champions-League-Qualifikation schafft.“
Der Umbruch ist da, etwas überraschend ist er so deutlich eingetreten. „Wir hatten das Ziel, keinen Spieler zu verlieren“, beichtete SG-Sportdirektor Anders Dahl-Nielsen. „Jetzt haben wir acht neue Spieler und einen neuen Co-Trainer.“ Angst vor der Zukunft hat der Däne jedoch gewiss nicht: „Wir haben viel verloren, aber ich verspreche: Wir haben noch mehr gewonnen.“ Die gesunde Mischung ist auf jeden Fall vorhanden. „Das Durchschnittsalter haben wir drastisch gesenkt“, führte Anders Dahl-Nielsen aus. „Es gibt aber auch einige routinierte Leistungsträger, die als Führungsspieler auftreten.“ Eindrücke, die Kent-Harry Andersson nur bestätigen konnte: „Es ist ein sehr interessanter Kader mit vielen Möglichkeiten.“
Der SG-Trainer machte die Vorstellungsrunde in Eigenregie. Er sprach die jungen Nachwuchsspieler Jacob Heinl („Er hatte letztes Jahr schon einige Einsätze“), Sebastian Schneider („Rückraumspieler mit sehr hartem Wurf“) und Lasse Johannsen („Er war eine Kopie von Lars Christiansen mit vielen Hebern, fängt jetzt aber an, auch richtig zu werfen“) ebenso an wie den neuen Torwart Jendrik Meyer („Sein Einsatz und seine Einstellung waren in der Vorbereitung sehr gut“). Lasse Svan Hansen stellte der Trainer als „zweiten Mann auf Rechtsaußen in Dänemark“ vor. 
Bei Oscar Carlén zeigte Kent-Harry Andersson Heimatgefühle. „Er kommt aus der schönsten Stadt der Welt – aus Ystad.“ Dort ist der Coach geboren. Alen Muratovic hatte den schwedischen Coach bereits beeindruckt, „als er vor zwei Jahren mit Valladolid gegen uns spielte“. Lasse Boesen ist „der Mann, der Lackovic und Lijewski ersetzen kann.“ Und schließlich Per Carlén, der neue Assistent: „Wir kennen uns seit 20 Jahren“, schwärmte Kent-Harry Andersson. „Vor 16 Jahren haben wir in Schweden zusammen die Meisterschaft gefeiert. Das wollen wir in ein oder zwei Jahren auch mit der SG gemeinsam erleben.“ Worte, die im Applaus der Gäste untergingen.
Das „Handball-Mikrofon“ ließ RSH-Moderator Nils Söhrens wandern. Es fing den Optimismus ein. „Ich wäre nicht überrascht, wenn wir den ersten oder zweiten Platz erreichen würden“, sagte Ljubomir Vranjes, der in der Vorbereitung viel als Dolmetscher fungieren musste. „Einige sprechen nur serbisch, andere nur schwedisch – da muss man als Kapitän helfen.“ Lasse Boesen erklärte seine ganz privaten Gründe, weshalb er bei der SG gelandet ist: „Ich wollte weiterhin in der Bundesliga spielen und nicht mehr als 80 Kilometer zur Familie in Kolding fahren. Das bietet nur die SG.“ Jendrik Meyer berichtete von der guten Atmosphäre zwischen den Torhütern: „Da ist deutlich mehr Teamarbeit als Konkurrenzkampf. Es gibt so viele Spiele – das schafft keiner allein.“
Natürlich kam aus Lars Christiansen, der „SG-Dauerbrenner“, der in seine 13. Saison geht, zu Wort. „Ich habe gehört, dass alle sehr gut trainiert haben“, blickte der Däne erwartungsfroh nach vorne, um dann etwas verwundert ins Mikrofon zu schimpfen: „Es ist eine Frechheit, dass uns einige nicht mal unter den ersten Vieren der Bundesliga erwarten.“ Dafür erhielt der SG-Linksaußen volle Unterstützung von Axel Hose, dem Geschäftsführer des neuen Medienpartners RSH: „Wir sind alle sicher, dass die SG immer oberhalb der vier landen wird. Ich gehe davon aus, dass wir das eine oder andere Bier auf anstehende Erfolge trinken werden.“
Die wirtschaftliche Basis ist geschaffen. Der Saisonetat wuchs auf 5,2 Millionen Euro (Rekord!), liegt damit im oberen Drittel der Bundesliga. Die Philosophie der Geschäftsführung „Grenzenloses Denken, grenzenlose Leidenschaft“ trägt Früchte. „Sparinvest war der Big Bang“, erzählte Fynn Holpert. „Ein Hauptsponsor, der uns einmalig macht in Schleswig-Holstein.“ Nun gesellte sich auch RAK Ceramics als Co-Sponsor dazu. Fynn Holpert: „Wir wollen die erste Vereinsmannschaft sein, die in der arabischen Welt spielt.“
Der Manager sieht noch größeres Potenzial, aber auch einen „Widerstand“: Die SG bräuchte eine größere Halle, um noch mehr Erfolg auf dem Gebiet der Sponsoren-Akquise zu haben. Frerich Eilts hatte den finanziellen Nachteil gegenüber den Arenen-Verein kurz überschlagen: „Wir haben 6000 weniger Sitzplätze als der THW Kiel – das sind ungefähr Einnahmen von zwei Millionen Euro.“
„Mittwoch geht es los“, warf Anders Dahl-Nielsen ein und sprach ein ernsthaftes Thema an. Die Terminhatz und die starke Belastung der Akteure. „Ein solches Olympia-Turnier in dieser Zeit, mit einer Vorbereitung von Mai bis August, ist für alle Beteiligten sehr schwer“, hatte der Sportdirektor kein hohes Spielniveau gesehen. „Wir wollen ein gutes Produkt für die Bundesliga und die Nationalmannschaft“, forderte er eine Entzerrung des internationalen Terminplans. „Wir müssen an unser Kapital, an unsere Spieler, denken.“ Das nachdenkliche Glanzlicht eines gelungenen Abends!
Fotos (Christoph Schellhaus)
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