Das „Rote Sofa“ ist eine Rubrik im Hallen-Magazin KONTER.
Spieler der SG Flensburg-Handewitt zeigen den Lesern Ausgabe für Ausgabe ihre Flensburger Lieblingsplätze und plaudern mit Zita Newerla über Persönliches. Die Handball-Stars verraten, was sie außerhalb des Spielfeldes beschäftigt, bewegt, motiviert, nervt, zum Weinen oder zum Lachen bringt.
Folge 10: Marcin Lijewski
Das Sofa sollte vor dem Café Kritz stehen. Warum?
Marcin Lijewski: Weil mein Lieblingsrestaurant „Macedonia“ zu der Zeit renoviert wurde. (lacht)
Viele von euch Spielern bezeichnen das „Macedonia“ als „das“ Restaurant. Warum ist es euer Lieblingslokal?
Marcin Lijewski: In erster Linie finde ich das Essen dort super. Eine tolle osteuropäische Küche. Aber ich mag auch die Atmosphäre. Die Brüder, die das Restaurant betreiben, nehmen uns immer auf, als würden wir zur Familie gehören. Ich könnte da auch hin, wenn ich einfach nur sprechen und nichts essen möchte.
… und das „Kritz“?
Marcin Lijewski: Dort bin ich auch oft mit den Mannschaftskollegen. Wir trinken dort Kaffee oder feiern besondere Siege.
Magst du das Stadtleben?
Marcin Lijewski: Eigentlich nicht besonders. Ich bin eher ein ruhiger Typ, der lieber außerhalb wohnt. Ich habe gerne „meine Ruhe“. Meine Privatsphäre ist mir besonders wertvoll.
Dein Vertrag läuft bis 2009. Aber es steht bereits fest, dass du die SG dann Richtung Hamburg verlässt...
Marcin Lijewski: Diese Entscheidung ist mir alles andere als leicht gefallen! Ich spiele seit sechs Jahren bei der SG. Und auch wenn ich damals nicht richtig wusste, was mich hier erwarten würde, kann ich sagen, dass der Wechsel nach Flensburg, die beste Entscheidung war, die ich je getroffen habe. Ich habe hier die größten Erfolge gefeiert, das Mannschaftsgefühl hat immer gepasst. Ich bin ein hundertprozentiger Flensburger mit einem polnischen Pass. (lacht)
Und warum hast du dich dann für den HSV entschieden?
Marcin Lijewski: Der HSV ist auch ein Spitzenverein. Aber neben der sportlichen Komponente war für mich meine private Situation ausschlaggebend. Meine Frau ist berufstätig und pendelt. Sie ist immer in Flensburg, wenn sie kann. Früher konnte sie häufiger länger bleiben, aber jetzt geht unsere Tochter in die Vorschule. So wird die Anreise für alle drei anstrengender – mein Sohn reist ja auch noch mit.
Du redest mit richtig viel Respekt von deiner Frau. Ist es für dich wichtig, dass sie arbeitet?
Marcin Lijewski: Nein, es ist ihr wichtig. Sie führt in Polen ein Blumen- und Dekorationsgroßhandel. Ihr Job macht ihr sehr viel Spaß. Sie sagt: Wenn sie sich mit schönen Sachen umgibt, dann ist sie glücklich. Und wenn sie glücklich ist, dann bin ich es auch. Wenn ich meine sportliche Karriere irgendwann beende, dann steige ich auch in die Firma ein.
Was wird an eurem Leben einfacher, wenn du in Hamburg lebst?
Marcin Lijewski: Dann trennen uns nur 60 Flugminuten voneinander. Die sind leicht zu bewältigen. So kann ich meine Kinder häufiger sehen. Die Prioritäten im Leben ändern sich schlagartig, wenn man Kinder hat. Jede Sekunde mit meiner Familie ist mir Gold wert. Und auch wenn mein Herz noch an Flensburg hängt, ist ein neuer Verein immer eine Herausforderung.
Fotos: Bojsen
Gibt es einen Verein, wo du nicht hingehen würdest?
Marcin Lijewski: THW Kiel. Der hat eine Philosophie, mit der ich nicht viel anfangen kann. Ich würde da auch nicht hinpassen, glaube ich. Und es wäre auch ein emotionaler Verrat an den SG-Fans, die mich all die Jahre unterstützt haben. Das würde ich nie machen.
In Hamburg spielt auch dein Bruder. Ihr teilt dann auf dem Spielfeld die gleiche Position. Geht das gut?
Marcin Lijewski: Es gibt keine Rivalität bei uns, ich sehe ihn als Unterstützung. Wir haben in der polnischen Nationalmannschaft die gleiche Situation – und es funktioniert perfekt. Dass wir zusammen spielen können, haben wir spätestens bei der Weltmeisterschaft bewiesen. Er war sehr stark und mit sich im Nachhinein zufrieden. Und ich bin in das All-Star-Team gewählt worden. Wir sind Vize-Weltmeister geworden, besser geht es nicht.
Doch, ein bisschen schon…
Marcin Lijewski: Ja klar! (lacht) Weltmeister! Das kommt vielleicht noch.
Du verbringst mit deinem Bruder auch jetzt viel Zeit. Er ist sechs Jahre jünger als du. Bist du eigentlich der Chef? Hört er auf dich?
Marcin Lijewski: Wir sind Freunde. Er ist vielleicht erst 24 Jahre, aber in dem Alter hatte ich schon Frau und Kind und wollte bestimmt nicht bevormundet werden. Also mache ich das bei ihm auch nicht. Er ist ein erwachsener Mensch und ein sehr guter Spieler, dessen Meinung und Ratschläge mir immer wichtig sind. Das funktioniert zwischen uns. Wir sind sozusagen auf Augenhöhe. Wie das auch bei echten Freundschaften ist.
Wie ist es, wenn ihr gegeneinander spielt? Für wen drücken eure Eltern mehr die Daumen?
Marcin Lijewski: Sie sagen immer, dass sie für ein Unentschieden sind. Aber das glaube ich nicht ganz. Sie kriegen immer Herzflattern, wenn mein Bruder die Spielfläche betritt. Ich denke, sie drücken die Daumen für ihn ein bisschen mehr und hoffen, dass er gegen mich bestehen kann. Ich nehme es aber meinen Eltern nicht übel! Er ist ja auch der „Kleine“.
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