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Wieder tolle Saison?

SG-Pressekonferenz: „Nur wenn wir alles geben, können wir zufrieden sein"

20.08.2012 18:00

Vor und nach den Spielen der SG Flensburg-Handewitt ist die Club100-Lounge an der Campushalle ein beliebter Treffpunkt. Am heutigen Montag war sie Schauplatz der SG-Saison-Pressekonferenz. Etliche Utensilien erinnern in den Räumlichkeiten an schillernde Handball-Momente, diesmal lief ein Film vom jüngsten Europapokal-Triumph in der Dauerschleife. „Es war eine tolle Saison mit dem Europacup der Pokalsieger, der Vize-Meisterschaft und einem tollen Endspiel beim Lufthansa Final Four in Hamburg", blickte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke zurück. Was wird in der neuen Spielzeit möglich sein? Platzierungen und Titel wurden von der Mannschaft nicht als Ziel ausgegeben. „Wir sind gut vorbereitet und wollen jedes Spiel gewinnen", erklärte SG-Kapitän Tobias Karlsson. „Wenn wir uns nach der Saison zusammensetzen und uns sagen können, dass wir alles gegeben haben, können wir zufrieden sein."

Ljubomir Vranjes berichtete aus der Vorbereitung. „Seit dem letzten Jahr sind wir einen Schritt weitergekommen, obwohl sechs unserer Handballer bei den Olympischen Spielen waren", sagte der SG-Trainer. „Die übrigen haben sehr gut gearbeitet, die gemeinsame Zeit hat uns noch enger zusammengeschweißt." Er möchte das Team weiterentwickeln. „Jeder erwartet Siege oder dass wir Kiel schlagen", betonte Ljubomir Vranjes. „Ich konzentriere mich auf meine Mannschaft. Mein Problem ist es, dass ich nie zufrieden bin." Er nahm auch nochmals Stellung zu seinem bis 2017 verlängerten Vertrag: „Ich spreche viel von Kontinuität, da kann ich nicht einfach abhauen."

Auf seine Favoriten hat sich der Schwede festgelegt: Kiel und Hamburg. Die Füchse Berlin dürften davon profitieren, dass sie auch während Olympia nur auf einen Spieler verzichten mussten. Und die Rhein-Neckar Löwen sowie den SC Magdeburg sieht der SG-Coach direkt dahinter. Und die SG? „Ich werde meiner Mannschaft nicht sagen, dass sie sich verstecken soll. Wir wollen auch angreifen", sagte Ljubomir Vranjes. „Wenn aber die richtige Einstellung fehlt, kannst du überall verlieren."

Die vier Neuzugänge waren die gesamte Vorbereitung im SG-Dress. „Ich kannte Ljubo aus Nordhorn und damit auch einige Spielzüge", erzählte Spielmacher Maik Machulla. „Aber viele wurden verfeinert, weitere Spielzüge sind dazugekommen. Thomas Mogensen und ich sind gefordert, das im Spiel umzusetzen." Ein Lob gab es für seinen neuen Klub. „Es wurde oft erzählt, dass die Spieler und ihre Familien in Flensburg unterstützt werden. Die ersten Wochen haben das bestätigt." Steffen Weinhold hatte nur wenig Zeit, um sich einzuleben. „Ich war mit dem Zug angekommen, und zwei Tage später ging es nach Schweden. Inzwischen sind die Kisten ausgeräumt." Als Franke in Schleswig-Holstein stößt der Linkshänder auf „andere Gepflogenheiten", in Nordhorn war er aber „schon mal auf halber Strecke in den Norden unterwegs gewesen".

Allrounder Morten Dibbert ist stolz, dass er nun mit den Spielern täglich trainieren darf, die er früher nur vom Fernsehen oder als Zuschauer in der Halle kannte. Linksaußen Malte Voigt äußerte sich ähnlich und hielt es für eine Selbstverständlichkeit, viele Sachen tragen zu müssen: „Wenn ich einmal ein etablierter Spieler bin, würde ich das gleich von den jungen Handballern erwarten."

Das gute Abschneiden in der letzten Saison war hilfreich bei der Suche nach neuen Partnern. „Die Mannschaft hat die SG nach außen hin hervorragend verkauft", sagte Dierk Schmäschke. „Von ganz allein kommen Sponsoren aber nicht." Immerhin gibt es mit „bet-at-home.com" einen neuen Hauptsponsor und mit der „Techniker Krankenkasse" einen neuen Gesundheits-Partner. Dierk Schmäschke: „Die Kombination von regionalen und überregionalen Partnern müssen wir bewahren, um unseren Etat zu verteidigen". Der soll nach einer Konsolidierung um die sechs Millionen Euro liegen. Einige Einschnitte waren nötig. Dierk Schmäschke: „Die oberste Priorität heißt: Erhalt der Qualität der Mannschaft."

In der Pressekonferenz wurde der Vertrag zwischen dem Online-Wettanbieter „bet-at-home.com" und der SG unterschrieben. Unternehmenssprecher Claus Retschitzegger war extra aus Linz angereist. „An der SG gefällt uns besonders die familiäre Struktur sowie die Fan-Kultur mit ihrer Emotionalität", verriet der Gast aus Österreich. Der Umsatz von „bet-at-home.com" ist auf 1,8 Milliarden Euro geklettert. Anwesend war auch Dr. Johann Brunkhorst, Leiter der Landesvertretung Schleswig-Holstein der „Techniker Krankenkasse", die deutschlandweit derzeit acht Millionen Versicherte hat. „Wir wollen auffallen, da ist eine erfolgreiche Handball-Mannschaft sehr geeignet", erklärte Dr. Johann Brunkhorst. Aber auch die Bedeutung der medizinischen Betreuung im Handball und die gute SG-Jugendarbeit seien Ansatzpunkte für diese Partnerschaft gewesen.

„Zufrieden" äußerte sich Dierk Schmäschke über den Dauerkarten-Verkauf. 4328 waren bis Montagmorgen an den Fan gebracht worden. Bis zum ersten Heimspiel am Samstag gegen TUSEM Essen können noch Saison-Tickets geordert werden. Für die Vorrunde in der Champions League wurden bislang gut 700 „Abos" verkauft. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist das sehr erfreulich", meinte Dierk Schmäschke. „Die Spieltermine und auch die Gegner aus den Qualifikations-Turnieren stehen noch gar nicht fest." Der „Aufstieg" der SG in die europäische Königsklasse birgt Termin-Stress. Manchmal wird es schwer sein, ein gutes Gleichgewicht zwischen Belastung und Regeneration für die Mannschaft zu erreichen. Ab Oktober stehen viele „englische Wochen" ins Haus.

Das Schönste zum Schluss: Über Silber durften die beiden Schweden reden. „Es ist immer etwas schwer, in den Alltag zurückzukommen. Ich fühle mich aber von Tag zu Tag wieder mehr Zuhause", verriet Tobias Karlsson und wagte einen Vergleich: „Die Olympischen Spiele sind mental härter, aber physisch nicht so anstrengend wie eine Vorbereitung. In einer Vorbereitung kannst du den Kopf ausschalten." R.SH-Moderator Volker Mittmann wollte von Mattias Andersson wissen, ob die Dänen im SG-Kader mit den Schweden ihren Frieden geschlossen hätten. Die Antwort: „Jedenfalls die meisten, nur Eggi hat noch seine Probleme."

Claus Retschitzegger (bet-at-home.com) erhielt ein SG-Trikot.

Autor: ki

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