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HC Banik Karvina

Ohne Frage - der HC Banik Karvina ist der sportliche Botschafter der rund 64000 Einwohner zählenden oberschlesischen Stadt. Dementsprechend verrät schon der Vereinsname, was den Nordosten der Tschechischen Republik seit Jahrzehnten prägt. Banik heißt ganz einfach "Bergbauarbeiter". Karvina liegt im Herzen eines großes Steinkohle-Reviers, das zwangsläufig viel Schwerindustrie magnetisch anzog. Allerdings bietet die Universitätsstadt auch attraktive Sehenswürdigkeiten: etwa das Schloss mit einer englischen Parkanlage, den historischen Marktplatz im Ortsteil Frystat oder die kleinen volkstümlichen Holzkirchen in der Region Jablunkov.
Es ist aber kaum verwunderlich, dass der Bergbau auch für den Handball die nötige Initialzündung lieferte. Seit 1952 bot die örtliche Berufschule, in der sich vieles um Kohle drehte, Handball-Kurse an. Aus diesen Ansätzen entstand 1955 der HC Banik Karvina, der noch in seinem Gründungsjahr im benachbarten Ostrava an einem internationalen Turnier teilnahm. Das gute Abschneiden war ein willkommener Motivationsschub. Bereits zum 1. April meldete sich eine Männermannschaft zum regulären Spielbetrieb an.

In Karvina gibt es auch ein paar nette Plätzchen.

Der Banik-Handball "reifte" viel schneller als Kohle. Schon im Frühjahr 1962 klopfte der Klub an der Tür zur höchsten Spielklasse der Tschechoslowakei. Die Aufstiegs-Relegation verlief erfolgreich; dennoch betrachtete die Konkurrenz den "Newcomer" aus Nordmähren mit Argwohn. Doch der potenzielle Absteiger mauserte sich, rettete sich mit einem fünften Rang souverän vor dem sofortigen Absturz und feierte schon 1968 die erste Meisterschaft. 1972 folgte ein zweiter Husarenstreich. Zugleich begrüßte man in diesen Jahren erstmals die internationale Europapokal-Konkurrenz in Karvina. In insgesamt 18 Spielzeiten wehte das europäische Flair durch die Straßen der Industrie-Metropole.
Tiefschläge blieben aber nicht aus. Ende der 70er Jahre verlor der HC Banik an Niveau und entwickelte sich zu einer typischen Fahrstuhlmannschaft. Die Vereinsfunktionäre stoppten die Talfahrt und schalteten den Schalter wieder auf "Erfolg" um. Mit der Vize-Meisterschaft 1987 begannen in Karvina die "goldenen Jahre". Seitdem rutschte der tschechische Renommierklub nur zweimal am Treppchen vorbei. Zur Jahrtausendwende erreichte man den absoluten Höhepunkt. Die Jahre 2000, 2001 und 2002 brachten "Hattricks" in der tschechischen Meisterschaft und im Pokal. Das Herz der tschechischen Nationalmannschaft schlug in Karvina, das auch in der gemeinsam mit der Slowakei gegründet Liga (HIL) den Ton angab.
Der Stellenwert des Handballs ist in der Bergbaustadt dementsprechend hoch, die Spiele in der 2200 Zuschauer fassenden Stadthalle nicht selten ausverkauft. Die Finanz-Situation des Traditionsvereins hält einen Vergleich mit der Bundesliga dennoch nicht stand. So steht der HC Banik dem neuen Wunsch der besten tschechischen Spieler, in Deutschland, Österreich, Frankreich oder Italien ihr Glück zu versuchen, hilflos gegenüber. Die EU-Erweiterung machte auch Handballer aus Karvina noch interessanter. In den letzten 14 Monaten verließen gleich sieben Leistungsträger den tschechischen Meister. Torwart Martin Galia landete beispielsweise in Göppingen, René Vasek und Milos Slabý  spielen nun für die Zweitligisten Spenge und Balingen.

Banik Karvina in der Saison 2004/2005

Dem Vorzeige-Verein ist nur noch ein einziger Nationalspieler geblieben: der Linkshänder Kamil Heinz, der zu allem Überfluss zur Zeit verletzungsbedingt nur zuschauen kann. Der Name Banik Karvina hat im ganzen Land aber nach wie vor einen großen Klang. Dafür sorgt auch der erfahrene Coach Jiri Kekrt, der schon Nationaltrainer war und sich seine Sporen auch in Österreich verdiente. Im letzten Sommer übernahm er das Zepter, verpasste mit einer neuformierten Truppe zwar knapp den Sieg in der HIL, sicherte sich aber immerhin den tschechischen Titel. Die Meisterschaft Nummer sechs.
Vor dieser Saison musste Jiri Kekrt eine weitere Verjüngung verkraften. Der Altersdurchschnitt sank auf gerade einmal 22 Jahre. Etliche Junioren- und Jugendnationalspieler mussten in das neue Konzept eingegliedert werden. Etwa der Linksaußen Jan Szymon, der Rechtsaußen Jan Sobol, die Rückraumspieler Rostislav Bruna, Michal Mrozek, Petr Kust oder auch Pavel Horak, der zuletzt besonders gut traf und sich an die zweite Stelle der HIL-Torjägerliste setzte. Diese neue Team-Struktur schlug sich bislang überraschend wacker. Am sechsten Spieltag übernahm Banik Karvina mit einem 32:27-Erfolg über den slowakischen Meister Tatran Presov sogar die Tabellenführung. Nur beim HC Zubri, dem Zweiten, kassierte man bislang eine knappe Niederlage. So geht man auch die Champions League mit Optimismus an. Unmittelbar vor dem 50-jährigen Jubiläum träumen Jiri Kekrt und seine Jungs vom Achtelfinale.

 

Weitere Infos
Homepage Banik Karvina

Homepage Stadt Karvina

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