Schützenfest gegen Hannover

18.11.2015 -DKB Handball-Bundesliga: 37:21 – SG mit Glanz-Vorstellung

Die SG Flensburg-Handewitt hat auch die nächste Aufgabe überzeugend gelöst und ist nun wettbewerbsübergreifend seit elf Spielen ohne Niederlage. Am Abend gewannen die Nordlichter in der DKB Handball-Bundesliga mit 37:21 (20:6) gegen die TSV Hannover-Burgdorf. „Die erste Halbzeit war von uns optimal“, lobte SG Coach Ljubomir Vranjes. „Das war in dieser Saison unsere bislang beste erste Hälfte überhaupt. Da hielt nur die Paris-Partie mit.“ SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke merkte an: „Aus unserem eigentlichen Kader haben heute fünf Akteure gefehlt. Aber wegen unserer Personalpolitik im Vorfeld der Saison können wir reagieren und bleiben nun in Lauerstellung.“

Mattias Andersson lief an der Spitze in die „Hölle Nord“ ein. Leider ein sicheres Zeichen dafür, dass Kapitän Tobias Karlsson diesmal nicht dabei sein konnte. Auch sonst war einiges anders: Zur Schweigeminute wegen der Terror-Anschläge in Paris erhob sich die komplette FLENS-ARENA. Dann spielte die SG in eine andere Richtung als üblich. Ein Ergebnis der Seitenwahl! Doch die ungewöhnliche Orientierung brachte die Hausherren keineswegs aus dem Konzept, sie kamen glänzend aus den Startlöchern. Rasmus Lauge, der sich auf der Abwehr-Halbposition mit Thomas Mogensen abwechselte, eröffnete den Torreigen. Die 6:0-Defensive – mit Henrik Toft Hansen und Kresimir Kozina im Mittelblock – stand blendend. „Wir haben für Kresimir einiges umgestellt, um ihm zu helfen“, erklärte Ljubomir Vranjes. „Seine Einstellung hat mir sehr gefallen.“ Torwart Mattias Andersson gewann das Duell mit den Burgdorfer Schützen mehrfach und leitete so manchen Gegenstoß ein. Zum Beispiel auf Anders Eggert – und es hieß 4:0.

Mattias Andersson lief als Erstes ein.

Nach dem 5:0 nahmen die Gäste ihr erstes Team-Timeout. Doch die SG spielte ihren Stiefel gnadenlos weiter. Rasmus Lauge erhöhte auf 7:0. Dann, nach exakt 9:56 Minuten, der erste Treffer für die Niedersachsen: Sven-Sören Christophersen, ein gebürtiger Schleswig-Holsteiner. Eine Wende brachte das erste Erfolgserlebnis nicht. Die „Recken“ tauschten ihre Keeper. Johan Jakobsson, der diesmal im rechten Rückraum begann, donnerte den Ball zum 9:1 in die Maschen. „Wir sind in dieses Spiel sehr schlecht reingekommen, da war die Angelegenheit schon nach einer Viertelstunde praktisch durch“, meinte ein enttäuschter TSV-Trainer Jens Bürkle.

Die Menge staunte vor Begeisterung: So schnell eine so hohe Führung gegen einen stark eingeschätzten Gegner – das ist selten. Nach knapp 20 Minuten packte Jens Bürkle seine grüne Karte zum zweiten Mal auf den Kampfrichtertisch: Es half nichts. Seine Spieler rannten immer wieder in die erste und zweite Welle der SG. Mattias Andersson entschärfte allein im ersten Durchgang zwölf Würfe. Petar Djordjic wurde eingewechselt und hämmerte den Ball sogleich zum 17:4 ein. Thomas Mogensen besorgte das 20:5. Eine unglaubliche Dominanz! Nach dem Seitenwechsel notierten die Statistiker gleich drei weitere Paraden für Mattias Andersson. Dann wurde er unter großem Beifall von Kevin Møller abgelöst. Die SG rotierte nun, wo sie konnte. Hampus Wanne besetzte den linken Flügel und markierte das 27:11. Kentin Mahé verließ ebenfalls die Reserve-Bank. Nur Bogdan Radivojevic fehlte: Der Rechtsaußen war am Vortag beim Abschluss-Training mit dem Fuß umgeknickt.

Holger Glandorf im Flug-Modus.

Angesichts der klaren Führung war nachvollziehbar, dass sich einige Flüchtigkeitsfehler einschlichen. Beim 27:14 intervenierte Ljubomir Vranjes. Nach der Besprechung setzte Holger Glandorf sogleich ein Signal. Die SG blieb am Drücker und baute ihren Vorsprung sogar noch aus. Die stehenden Ovationen hatten sich die Akteure mehr als verdient. „Danke an meine Spieler“, schloss sich Ljubomir Vranjes an. „Dennoch habe ich mit ihnen ein paar Dinge zu besprechen, aber das ist gar nicht negativ gemeint.“ Dagegen war Jens Bürkle restlos bedient. „30 Fehlwürfe von uns – das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt“, sagte er. „Das Ganze werde ich erst einmal genau analysieren, um daraus Rückschlüsse zu ziehen.“

Sieben Tore: Lasse Svan. Fotos: Ki.

SG Flensburg-Handewitt – TSV Hannover-Burgdorf  37:21 (20:6)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (15 Paraden), Møller (7 Paraden, ab 36.) – Eggert (6/3), Glandorf (2), Mogensen (1), Svan (7), Wanne (3/2), Djordjic (3), Jakobsson (1), Toft Hansen (2), Lauge (5), Mahé (3/1), Kozina (4)
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (6/1 Paraden), Semisch (5/1 Paraden, 11.-30.) – Patrail (1), Hykkerud, Häfner (6), Szücs (2), Gudmundsson, Karason (3/3), Schmidt (1), M. Dräger, Christophersen (3), Kastening (2), Hinz (3)
Schiedsrichter: Schulze/Tönnies (Magdeburg/Dodendorf); Zeitstrafen: 4:8 Minuten (Glandorf 2, Toft Hansen 2 – Hykkerud 2, Schmidt 2, Hinz 2, Kastening 2); Siebenmeter: 8/6:4/3 (Eggert scheitert an Semisch, Wanne an Ziemer – Kastening trifft Latte); Zuschauer: 5517
Spielverlauf: 7:0 (9.), 9:1 (12.), 10:3 (15.), 15:3 (21.), 18:4 (25.), 20:5 (28.) – 22:6 (34.), 23:8 (36), 25:9 (38.), 26:10 (40.), 27:11 (41.), 27:14 (43.), 28:15 (47.), 30:16 (48.), 31:18 (51.), 34:18 (53.), 34:20 (56.), 36:20 (58.)

Von: ki