Zwei Punkte aus Lemgo

26.12.2015 -DKB Handball-Bundesliga: 32:30 – spannender zweiter Weihnachtstag

Die SG Flensburg-Handewitt hat ihren Marathon mit 35 Pflichtspielen in den letzten gut vier  Monaten beendet. Zum Abschluss gab es eine turbulenten Berg- und Talfahrt, die mit einem 32:30 (12:17)-Erfolg beim TBV Lemgo endete. „Das war unser fünftes Auswärtsspiel im Dezember, ein hartes Programm“, meinte SG Trainer Ljubomir Vranjes. „Deshalb bin ich unheimlich stolz auf das, was wir in den letzten Wochen geleistet haben. In der Mannschaft steck viel Teamgeist.“ Sein Assistent Maik Machulla ergänzte: „Vielleicht kann man sagen, dass wir glücklich gewonnen haben. In der zweiten Halbzeit hat sich die Mannschaft aber enorm gesteigert und hat wirklich gut gespielt.“ Nach diesem Sieg pausiert die DKB Handball-Bundesliga bis zum 10. Februar.

Die SG erwischte in der Lipperlandhalle einen glänzenden Start. Die 6:0-Abwehr blockte gleich die ersten Würfe der Lemgoer, Mattias Andersson begann mit einer ersten Parade und leitete kurz darauf mit langem Pass einen Gegenstoß ein. Thomas Mogensen bediente Anders Eggert zwei Mal mustergültig auf der Linksaußen-Position. Beim 1:4 jubelten die mitgereisten SG Fans lautstark, den meisten der 4719 Zuschauer stockte der Atem. Würde die Spannung schnell aus der Partie entweichen?

Neun Tore: Anders Eggert. Fotos: Ingrid Anderson-Jensen

Pustekuchen! Der SG unterliefen gerade im Rückraum zahlreiche Fehler, der TBV Lemgo „turnte“ flugs wieder munter mit. Andrej Kogut und Jonathan Stenbäcken entfalteten aus der zweiten Reihe Gefahr. Das 7:5 war ein Warnschuss für die SG, der aber nicht so recht wirkte. Der gut aufgelegte Lasse Svan und Anders Eggert per Siebenmeter glichen zwar noch ein Mal aus, doch die Hausherren hatten Blut geleckt und bestimmten nun das Geschehen. „Unsere erste Halbzeit war nicht in Ordnung“, kritisierte Ljubomir Vranjes später. „Wir haben zehn Gegenstöße kassiert, da unser Angriffsspiel zu schwach und Lemgo gut war.“

Beim 10:7 reagierte Ljubomir Vranjes mit einem Team-Timeout. Petar Djordjic und Johan Jakobsson standen nun auf dem Spielfeld. Der schwedische Linkshänder bediente zwei Mal Lasse Svan, der Rechtsaußen besorgte den 10:9-Anschluss. Damit hatten die Gäste vorerst ihr Pulver verschossen. Mehrfach rannten sie in schnelle Gegenstöße. Beim 15:9 zog Ljubomir Vranjes mit der grünen Karte die Reißleine, bis zur Halbzeit stellte sich aber nur eine geringfügige Ergebnis-Kosmetik ein.

Thomas Mogensen mit großem Einsatz.

Auch der zweite Durchgang begann nicht vielversprechend. Johan Jakobsson blieb mit einem Wurf am TBV-Block hängen, im Gegenzug erhöhte Kreisläufer Anton Mansson auf 18:12. Dann lief es endlich etwas besser. Bei einem Konter passte Lasse Svan quer auf Anders Eggert, dem fast einer der beiden Referees ins Gehege kam. Der Linksaußen behielt aber die Übersicht. 19:15! Kurz darauf traf Thomas Mogensen aus der Distanz. Nur noch drei Tore Rückstand! „Wir haben in der Kabine geredet und wollten die Ruhe behalten“, erklärte Ljubomir Vranjes. „Wir hatten einen Plan, der aufging.“

Dennoch war die Aufholjagd vorerst beendet. Lemgo traf munter weiter, die SG hielt zwar dagegen, ließ aber zwei Gegenstöße aus. „Hätten wir weiter konzentriert gespielt, hätten wir den Sieg geholt“, sagte TBV-Coach Florian Kehrmann. „Wir können aber auf unsere Mannschaft stolz sein.“ Beim 26:21 tauschte die SG ihre Torhüter: Kevin Møller stand nun zwischen den Pfosten. Es dauerte satte sechs Minuten, bis der Däne erstmals hinter sich Greifen mussten. Urplötzlich hatte die SG Oberwasser. Lasse Svan konterte zum 26:25, dann hatte Kevin Møller schon wieder seine Hände am Ball und leitete den nächsten Angriff ein. Holger Glandorf konnte nur auf Kosten eines Siebenmeters gestoppt werden. Anders Eggert vollstreckte. Der Ausgleich! „Zur Halbzeit hatten wir weiterhin an den Sieg geglaubt“, verriet Maik Machulla. „Als wir aufholten, wuchs das Selbstvertrauen weiter.“

Kevin Møller hielt stark in der Schlussphase.

Die SG war nun auf der Überholspur. Einmal mehr passte Johan Jakobsson auf den rechten Flügel, wo Lasse Svan sicher zum 28:29 abschloss. Nur wenige Sekunden später hatte der Rechtsaußen schon wieder den Ball erobert und erhöhte auf einen Zwei-Tore-Vorsprung. „Er war überragend, hat auch einige schwere Würfe getroffen“, sagte Maik Machulla. „Insgesamt lässt sich aber für die komplette Mannschaft feststellen, dass selbst im 35. Spiel dieser Saison die Moral noch intakt war.“ Florian Kehrmann nahm noch einmal eine Auszeit. Aber Kevin Møller war nicht zu überwinden und parierte gegen Rolf Hermann. Im Gegenzug machte die SG den Sack zu. Torschütze: natürlich der überragende Lasse Svan. Nach einer tollen Wende konnten die Nordlichter doch noch mit dem mitgereisten Anhang zwei Zähler feiern.

Der letzte SG Jubel in 2015. 


TBV Lemgo – SG Flensburg-Handewitt  30:32 (17:12)
TBV Lemgo: Dresrüsse (8 Paraden), Maier (2 Paraden, ab 49., bei einem 7m) – Mansson (5), Feuchtmann, Kogut (4), Hornke (8/3), Stenbäcken (1), Hermann (2), A. Niemeyer, Ramba (4), Höning (2), Zieker (4), M. Niemeyer
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (7 Paraden), Møller (8/1 Paraden, ab 46., bei zwei 7m) – Karlsson, Eggert (9/3), Glandorf (2), Mogensen (6), Svan (12), Djordjic, Jakobsson, Toft Hansen (2), Lauge (1), Mahé
Schiedsrichter: Geipel/Helbig (Steuden/Landsberg); Zeitstrafen: 2:4 Minuten (Ramba 2 – Svan 2, Glandorf 2); Siebenmeter: 4/3:3/3 (Hornke scheitert an Møller, trifft aber im Nachwurf); Zuschauer: 4719 (ausverkauft)
Spielverlauf: 1:1 (2.), 1:4 (6.), 3:5 (9.), 7:5 (13.), 7:7 (14.), 10:7 (18.), 10:9 (22.), 15:9 (25.), 15:11 (28.), 16:12 (30.) – 18:12 (32.), 19:13 (33.), 19:16 (36.), 21:17 (37.), 22:19 (40.), 24:19 (43.), 25:20 (44.), 26:21 (46.), 26:26 (52.), 28:26 (54.), 28:31 (58.), 29:32 (59.)

Von: ki