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Ärgerlicher Punktverlust

03.03.2016 -DKB Handball-Bundesliga: 25:25 – SG verspielt Sechs-Tore-Polster

Die SG Flensburg-Handewitt büßte am Donnerstagabend bei der TSV Hannover-Burgdorf einen Zähler ein. Nach dem völlig unnötigen 25:25 (15:10) liegt die SG nun zwei Punkte hinter der Tabellenspitze der DKB Handball-Bundesliga. „Wir haben einen Punkt verloren“, ärgerte sich SG Trainer Ljubomir Vranjes. „Zu den letzten 15 Minuten fällt mir nichts ein. Dafür stehe ich persönlich ein und übernehme die Verantwortung.“ Sein Kollege Jens Bürkle jubelte: „Wir können uns wie Sieger fühlen, meine Mannschaft kann ich für ihre Einsatzbereitschaft nur loben.“

Die Swiss Life Hall, wie die altehrwürdige Stadionsporthalle mit modernem Akzent heißt, war bis auf den letzten Platz besetzt. Auch etliche SG Fans mischten sich unter das Publikum und hatten bald ihre helle Freude an der Partie. Thomas Mogensen scheiterte zwar noch an Martin Zimmer, doch dann war Holger Glandorf für den ersten Treffer des Tages zur Stelle. Bei der Aufstellung hatte Ljubomir Vranjes keine Überraschung parat. Die 6:0-Deckung formierte sich schnell, vorne wirbelten Thomas Mogensen und Rasmus Lauge. Und Holger Glandorf vollstreckte: Mit seinem dritten erfolgreichen Wurf markierte er das 3:6. Viele Impulse wurden über die rechte Angriffsseite gesetzt. Lasse Svan erhöhte mit einem herrlichen Treffer auf 4:8. Das einzige, was in der Anfangsphase zu einem perfekten Spiel fehlte, war eine noch bessere Chancenverwertung. Unter anderem scheiterte Anders Eggert gleich mit seinem ersten Siebenmeter. Den Hannoveranern war der große Respekt vor der SG Defensive anzumerken. Die SG nutzte dies für einen schnellen Vorsprung. Vor allem auf Holger Glandorf war Verlass: Aus der zweiten Etage hämmerte er den Ball zum 6:11 in die Maschen.

Thomas Mogensen traf mit der Halbzeit-Sirene.

Nach knapp 25 Minuten bekam der Linkshänder eine Verschnaufpause und ließ sich von Johan Jakobsson hervorragend vertreten. Ein Tor, dann ein Anspiel auf Lasse Svan – die SG dominierte weiterhin das Geschehen. „Andersson“-Sprechchöre durchfluteten die Arena, als Mattias Andersson seine fünfte glänzende Parade auf das Parkett zauberte. Seine Vorderleute vollrichteten Maßarbeit: Thomas Mogensen dirigierte die Offensive, schlüpfte dann selbst durch die Recken-Deckung und besorgte praktisch mit der Sirene den 10:15-Pausenstand. „Die erste Halbzeit hat mir sehr gut gefallen“, war Ljubomir Vranjes zu diesem Zeitpunkt noch bester Stimmung. Zumal die zweite Hälfte mit gewohnten Aktionen begann. Holger Glandorf traf, Mattias Andersson hielt – ehe Rasmus Lauge auf 11:17 erhöhte. Die SG agierte souverän. Gewohnt zuverlässig Lasse Svan, der mit einem Rechtsaußen-Doppelschlag das 14:20 herstellte. Holger Glandorf musste wegen einer Wunde am Kinn behandelt werden, kehrte aber bald mit einem Pflaster zurück. Erst nach dem Spiel wurde der „Cut“ vom TSV-Mannschaftsarzt in der Kabine genäht.

Für Holger Glandorf lief es lange prächtig.

Ljubomir Vranjes wollte nichts anbrennen lassen, trommelte seine Jungs eine Viertelstunde vor Schluss zusammen. Beim 18:22 drohte es noch einmal etwas knapper zu werden. Dann wehrte Mattias Andersson zwei Würfe ab, während Holger Glandorf seine Ausbeute weiter aufpolierte. Die „Recken“ wechselten die Torhüter, die SG verlor die Konzentration. Mit einem Vier-Lauf rückten die Hausherren auf, während Keeper Malte Semisch die Nerven der Gäste weiter strapazierte. Holger Glandorf und Rasmus Lauge scheiterten, ehe Kresimir Kozina das wichtige 22:25 markierte. Aber mehr als ein Durchatmen auf den Rängen war nicht möglich. „Wir haben das Spiel selbst aus der Hand gegeben“, wunderte sich Mattias Andersson. „Das darf uns als Top-Mannschaft nicht passieren.“

Die SG vermochte vorne keine Akzente mehr zu setzen. So schmolz der einst stolze Vorsprung. Hannover war auf einen Treffer herangerückt und befand sich schon wieder im Vorwärtsgang. Dann flog der Ball vom SG Block ins Toraus. Die Schiedsrichter waren sich unsicher, fragten Mattias Andersson, ob er den Ball noch berührte hätte. Der Schwede bewies Sportsgeist und verneinte wahrheitsgemäß. Die „Recken“ durften so weiter ihren Angriff aufbauen. 42 Sekunden vor Ende glich Sven-Sören Christophersen unter dem Jubel der 4100 Zuschauer aus. Der SG blieb noch etwas Zeit, kämpfte sich von Freiwurf zu Freiwurf, aber auch Petar Djordjic mit einer finalen Aktion konnte den Ball nicht mehr in die Maschen zaubern. Es war wie verhext: Die SG hatte das Spiel lange Zeit souverän geführt, musste sich letztendlich aber mit nur einem Punkt begnügen. „Irgendwie hatte meine Mannschaft trotz der Pause von ein paar Tagen müde Beine und konnte die nötige Leistung am Ende nicht mehr bringen“, bilanzierte Ljubomir Vranjes. „Aber auch ich als Trainer muss mich hinterfragen, ob ich alles richtig gemacht habe. Hut ab vor Hannover für ihren Kampfgeist!“

Am Ende rätselte Ljubomir Vranjes.
Fotos: Beate Haar (2), Ingrid Anderson-Jensen (2)

 

TSV Hannover-Burgdorf – SG Flensburg-Handewitt 25:25 (10:15)
TSV Hannover-Burgdorf: Ziemer (6/1 Paraden), Semisch (5 Paraden, ab 50.) – Patrail (2), Hykkerud, Häfner (8), Szücs, Karason (2), Schmidt, Christophersen (5), Kastening, Olsen (4), Johannsen, Mortensen (3/2), Lehnhoff (1/1)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (14 Paraden) – Karlsson, Eggert (2/1), Glandorf (10), Mogensen (2), Svan (6), Djordjic, Jakobsson (1), Toft Hansen, Gottfridsson, Lauge (3), Kozina (1)
Schiedsrichter: Pritschow/ Pritschow (Stuttgart); Zeitstrafen: 14:4 Minuten (Christophersen 4, Hykkerud 4, Semisch 2, Schmidt 2, Kastening 2 – Jakobsson 2, Svan 2); Siebenmeter: 3/3:2/1 (Eggert scheitert an Ziemer); Zuschauer: 4100 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:1 (2.), 2:2 (5.), 2:4 (6.), 3:6 (9.), 4:8 (14.), 5:10 (21.), 7:11 (23.), 8:13 (26.), 10:14 (30.) – 11:15 (32.), 11:17 (34.), 13:17 (36.), 14:18 (37.), 14:20 (40.), 15:21 (44.), 17:21 (46.), 18:22 (47.), 18:24 (49.), 22:24 (53.), 22:25 (55.)

 

Von: ki