Stripes
mogensen

Die Meisterschale gehört nach Flensburg

03.06.2018 -DKB Handball-Bundesliga: 22:21 – Titel-Krimi gegen Göppingen

Es ist vollbracht: Die SG Flensburg-Handewitt ist zum zweiten Mal nach 2004 deutscher Meister. Am letzten Spieltag der DKB Handball-Bundesliga glückte ein 22:21 (12:12)-Erfolg über FA Göppingen. Dann brachen alle Dämme. „Analysen erspare ich mir heute“, sagte SG Trainer Maik Machulla. „Ich bin nur glücklich, dass wir es geschafft haben. Meine Jungs schleppten durch die heutige Partie doch ein gehöriges Päckchen.“

Das sportliche Volksfest begann schon zwei Stunden vor dem Anpfiff. Viele Fans tummelten sich vor der FLENS-ARENA und stimmten sich bei Party-Musik ein. Drinnen setzten die Gesänge früh ein. Als die Mannschaft einlief, erschien eine Choreographie auf der Nordtribüne. Eine schöne Geste für die sechs Spieler, die die SG verlassen werden. Ganz groß leichteten eine originell gestaltete Nummer zehn für Thomas Mogensen und ein Transparent für Jacob Heinl.

Das Kreisläufer-Urgestein stand in der Startaufstellung. Sofort setzten die stehenden Ovationen ein. Die Zuschauer wollten ihre Lieblinge zum Titel tragen. Hampus Wanne löste den ersten Torjubel aus, beim 2:1 von Rasmus Lauge lag die SG erstmals auf „Meisterkurs“. Die Göppinger, die nur mit neun Spielern angereist werden, hielten tapfer dagegen und sorgten immer wieder für Ernüchterung im Publikum. Die SG musste noch einmal alles investieren – gegen eine extrem offensiv interpretierte Deckung der Gäste. „Wir hatten nicht mehr genug große Leute, um eine andere Variante zu stellen“, erklärte FA-Trainer Rolf Brack. „Psychologisch war es für Flensburg so womöglich schwieriger, als wenn wir mit einem vollen Kader angetreten wären.“

Ein Dank für 52 Jahre SG. Fotos: Ki

Jacob Heinl traf in der ersten Viertelstunde gleich drei Mal. Doch die Schwaben, die in Spielmacher Tim Kneule, dem ehemaligen SG Kreisläufer Kresimir Kozina und Torwart Primoz Prost ihre auffälligsten Akteure hatten, gingen beim 6:7 wieder in Führung. Henrik Toft Hansen war nun dabei. Sein 8:7 ließ das Kollektiv wieder etwas durchatmen. Aber kein Team konnte sich absetzen. Beim 11:11 flog ein Göppinger Wurf ans Lattenkreuz. Der Vorstoß der SG hätte um ein Haar mit einem Ballverlust geendet – wenn nicht Jim Gottfridsson einen rettenden Hechtsprung eingelegt hätte. Rasmus Lauge traf. 12:11! Die Gäste bekamen aber noch einen Siebenmeter zugesprochen, den Marco Rentschler verwandelte. Ein emotionaler Dämpfer!

Die letzten 30 Minuten der Saison mussten die Entscheidung bringen. Und die begannen nicht gut. Der extra eingewechselte Kentin Mahé vergab einen Siebenmeter, kurz darauf leitete ein Ballverlust einen Gegenstoß ein, der Göppingen wieder in Führung brachte. Jim Gottfridsson hatte zwei „Beruhigungspillen“ für den Anhang parat. Dann trat Rasmus Lauge an die Siebenmeter-Linie – und bestand die Nervenprobe. 15:14! Wenig später war es wieder der Däne, der seine ganze Energie bündelte und durch die Abwehr stieß. 17:15 – erstmals führte in dieser Partie eine Mannschaft mit zwei Treffern.

Rasmus Lauge glänzte mit einer Energieleistung.

Die Göppinger versuchten es mit einem siebten Feldspieler, hatten auch gleich ein Erfolgserlebnis. Allerdings betrat Torwart Primoz Prost danach zu früh das Spielfeld und kassierte für den Wechselfehler eine Zeitstrafe. Lasse Svan lochte in Überzahl zwar zwei Mal ein, aber Göppingen blieb dran. Kevin Møller war es, der den erneuten Ausgleich verhinderte. Beim 19:18 nahm Maik Machulla ein Team-Timeout. Gleich danach tauchte Rasmus Lauge völlig frei vor dem Frisch-Auf-Gehäuse aus, schepperte den Ball aber an die Latte.
Zum Glück war Kevin Møller auf seinem Posten. Rasmus Lauge warf all seine Kräfte in die Waagschale und zauberte einen Hattrick auf die Platte. 22:20! Als die SG den Ball gewann, stimmte die Fan-Gemeinde erste Siegesgesänge an. „Ole, ole, ole, Super Flensburg-Handewitt!“ Doch Hampus Wanne scheiterte mit einem weiteren Strafwurf. Schon der vierte in dieser Partie – es war zum Haareraufen! Aber die Zeit lief für die SG. Als Kevin Møller den Ball 45 Sekunden vor Schluss in seinen Händen hatte, war klar: „Die SG ist Deutscher Meister 2018!“ Als der letzte Treffer der Göppinger fiel, waren die Feierlichkeiten bereits gestartet…

Kevin Møller war Fels in der Brandung.



SG Flensburg-Handewitt – FA Göppingen  22:21 (12:12)

SG Flensburg-Handewitt: Andersson (4/1 Paraden), Møller (8 Paraden) – Karlsson, Glandorf (1), Mogensen, Svan (4), Wanne (3), Steinhauser, Heinl (3), Toft Hansen (1), Gottfridsson (2), Lauge (8/1), Mahé, Rød
FA Göppingen: Prost (11/2 Paraden), Rebmann (45.-47.) – Kneule (3), Kozina (5), Gehrke, Pfahl (1), Ritterbach (2), Damgaard (2), Rentschler (8/5)
Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff (Düsseldorf); Zeitstrafen: 0:2 Minuten (Ritterbach 2); Siebenmeter: 5/1:6/5 (Wanne und Lauge scheitern an Prost, Mahé und Wanne werfen vorbei – Andersson hält gegen Kozina); Zuschauer: 6300 (ausverkauft)
Spielverlauf: 0:1 (2.), 2:1 (4.), 3:3 (7.), 5:4 (12.), 5:6 (14.), 6:7 (15.), 8:7 (19.), 8:9 (21.), 10:9 (25.), 10:11 (27.), 12:11 (30.) – 12:13 (32.), 13:14 (36.), 15:14 (39.), 17:15 (43.), 18:17 (45.), 20:18 (53.), 21:19 (55.), 22:20 (56.) 

 

Von: ki