www.flensburg-tourismus.de

Sponsoren



Aktuelles


Die SG gratuliert seinem ältesten Fan: Linda Mittmann wurde 100


08.11.2009 18:20

Mit Freunden und Familie feierte Linda Mittmann im Saal des Pflegezentrums „Rosengoorn“ ihren 100. Geburtstag. Der Saal war voll, was bei drei Kindern, acht Enkeln, elf Urenkeln und den dazugehörigen Ehefrauen und Ehemännern bestimmt niemanden wundert. Und mittendrin: SG-Spieler Torge Johannsen. Der Kapitän schaute vorbei, um im Namen der Mannschaft und des Vereins zu gratulieren. Er überreichte der rüstigen Dame einen Blumenstrauß und sein von den Mannschaftskollegen signiertes SG-Trikot. „Frau Mittmann war noch in der letzten Saison mit 99 Jahren in der Halle, um uns die Daumen zu drücken”, so der Kapitän. „Das finden wir alle sehr stark. So stark, dass wir ihr auch persönlich gratulieren wollten.“
Wenn man sie auf ihre Biografie anspricht, sagt sie: „Ich habe zwei Weltkriege erlebt.“ Worte, die nicht beschreiben können, welche Sorgen und Wirrungen das Leben gerade die ersten vier Dekaden für sie und ihre Angehörigen bereithielt. Sie stammt aus Wolhynien, einem Landstrich, der heute im Nordwesten der Ukraine liegt. Ihre Vorfahren waren bereits in der erste Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus Alzey (Rheinland-Pfalz) kommend, in den Osten ausgewandert. Die Familie baute einen landwirtschaftlichen Betrieb auf, den sie im Ersten Weltkrieg verlassen musste, als ihre Heimat zwischen die Fronten geriet. In der Zwischenkriegszeit kehrten alle zurück, wodurch sie aufgrund der neuen Grenzen polnische Staatsbürger wurden.
Linda Mittmann lernte ihren zukünftigen Mann kennen, verlobte sich und heiratete 1932. Über die „grüne Grenze“ flüchtete das junge Paar nach Westpreußen und baute dort eine florierende Holzschuh-Produktion auf. Es kam der Zweite Weltkrieg. Am 20. Januar 1944 – dieses Datum haben die Jubilarin wie auch ihr ältester Sohn Siegfried nicht vergessen – mussten die Mittmanns „bei Nacht und Nebel“ den ganzen Besitz zurücklassen. Nach mehreren Etappen und Wochen landeten sie in Bargteheide – ohne den Familienvater. Der hatte an die Front gemusst und war in den Kriegswirren verloren gegangen. Es war schon seit drei Monaten Frieden, als Linda Mittmann über das Deutsche Rote Kreuz die Nachricht erreichte, dass ihr Gatte in Hamburg aufgetaucht wäre. „Da bin ich zu Fuß nach Hamburg gegangen, die Tiefflieger habe ich alle ignoriert“, erzählt die 100-Jährige. Schleswig wurde zur neuen Heimat. Zunächst wurde die Holzschuhfirma „reaktiviert“, dann lief ein Schuhgroßhandel prächtig. „Ich habe immer viel arbeiten müssen“, sagt Linda Mittmann.
Im letzten Jahr holte ihr jüngerer Sohn Hubert sie nach Handewitt – gleich in seine Nachbarschaft. Noch immer verfolgt sie interessiert die Weltpolitik und schwört als Fan der SG Flensburg-Handewitt auf Handball. „Wie hat Handewitt gespielt?“, lautet stets die wichtigste Frage, die sie ab jetzt auch im Kapitäns-Trikot stellen kann.


Autor:

Von: sg

powered by